Montag, 10. März 2014

Jung-Stilling Rundweg

Wanderung vom 09.03.2014


Ich sollte eigentlich schreiben "Winterwanderung", denn der Frühling beginnt auf dem Kalender erst übernächste Woche. Aber das nimmt mir keiner ab bei dem Wetterchen. Viel Sonne, es wird immer wärmer, und das so früh im März...

Als ich gegen 8 Uhr aus dem Fenster schaue, bekomme ich erst einmal Gänsehaut beim Anblick der zugefrorenen Autos. Ich Frostbeule will heute wirklich wandern? Der strahlend blaue wolkenlose Himmel und die Sonne sagen allerdings was anderes. Man wäre ja schön dumm, bei dem herrlichen Wetter in der Bude zu hocken. Ich beschließe, später loszuziehen und trödle noch ein wenig herum.

Ich habe mir für heute den Jung-Stilling Rundweg ausgesucht. Mit knapp über 9 Km eher ein Wegelchen, aber ich werde mit einem kleinen Schlenker über die Ginsberger Heide auf knappe 12 Km kommen.

Beim Packen des Rucksacks und dem Schlüpfen in die Wandersocken steigt dann die Vorfreude. Um 10.20 Uhr steige ich ins Auto. Das Thermometer zeigt knappe 7°C, es fühlt sich aber wärmer an. Als ich beim Bäcker halte, sind es schon 9°C, die Sonne gibt Vollgas.

Kurz nach halb elf parke ich in Grund beim Dorfgemeinschaftshaus. Das war früher mal eine Kapellenschule. Mittlerweile hat es 11°C, und die Sonne hat gut Kraft. Geht doch...


Dorfgemeinschaftshaus "Alte Kapellenschule"
 
 
Hier gibt es auch eine Wandertafel zum Weg und Flyer zum Mitnehmen. Der Wanderer erfährt so alles, was es zum berühmten, hier in Grund geborenen Prof.Dr.med.Dr.phil h.c.Johann-Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling (1740-1817) zu wissen gibt. Ich nehme mir einen Flyer mit, auf dem auch der Weg eingezeichnet ist. Man weiß ja nie...


Wandertafel mit Flyern zum Mitnehmen

Na, denn man los. Vertieft in den Flyer latsche ich promt am Geburtsthaus von Jung-Stilling vorbei.


Links das Geburtshaus von Jung-Stilling, rechts das alte Spritzenhaus (erbaut 1927)

Das Ende des Dorfes ist schnell erreicht. Der Weg macht einen scharfen Knick nach rechts, nun geht es stetig, aber angenehm bergauf. Zuerst durch ein kleines Waldstück, dann oberhalb von echtem Siegerländer Hauberg. Der Weg ist ziemlich zerfahren, und so laufe ich mal am Rand, mal auf dem grasbewachsenen Mittelstreifen. Bald schon kann ich einen herrlichen Blick über Grund genießen.


Blick zur Ginsburg oberhalb von Grund

Bald darauf erreiche ich den oberen Weidekampen und habe freie Sicht über unser wunderschönes Siegerland. Ich bin hoch, aber noch nicht ganz oben.


Weiter Ausblick ins Siegerland


Schöne alte Eiche am Wegesrand
Nun geht es wieder durch Nadelwald. Durch die hohen Fichten kann ich die Häuser von Grund erkennen. Aus dem Tal tönen Motorengeräusche herauf. Sonntagsausflügler auf der K 31, die durch Grund führt.
Jetzt wird der Weg breiter, das finde ich nicht so toll. Auf einem Pfosten am Wegesrand lese ich etwas von Ferngas. Aha, die haben hier wohl Gasleitungen verlegt, daher der überbreite Wirtschaftsweg. Naja, ist ja nicht mehr weit bis zur Kronprinzeneiche.
Die erreiche ich wenige Minuten später. Hier oben dröhnt der Sonntagsverkehr, es sind schon jede Menge Motorräder unterwegs. Hier mündet die von Hilchenbach kommende B508 in die B62.

Die Kronprinzeneiche wurde im am 16ten Oktober 1833 vom damaligen Prinzen und späterem König Friedrich Wilhelm IV gepflanzt. Der war nämlich unterwegs vom Bad Berleburg, wo er das Schloss besucht hat, Richtung Siegerland zur damals berühmten Grube Stahlberg. Seinerzeit verkörperte die Eiche das Sinnbild für Kraft und Beständigkeit.

Ich muss ein wenig grinsen, denn hier oben gibt es drei unter Naturschutz stehende Eichen. Welches ist denn nun die vom Friedrich? Eine Bank läd zum Verweilen ein, aber mir ist hier zu viel los. Schnell über die Straße, und dann wird es wieder besser.


Nicht so schöner Weg Richtung Kronprinzeneiche
Treppchen für die Wanderer an der Kronprinzeneiche, im Hintergrund die B 508


Hier mündet die B 508 in die B 62

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich für mittelalterliche Hohlwege, Landwehren, etc interessiere?
Auf einem solchen alten Weg geht es Richtung Ginsberger Heide. Es läuft sich herrlich auf dem weichen Laub durch Buchenwald. Ein schöner Hohlweg, ich bin begeistert. Nach einer matschigen Stelle läuft man am Rande des Weges und kann sehen, wie tief ihn die Fuhrleute damals in die Landschaft gefahren haben.


Mittelalterlicher Hohlweg von der Kronprinzeneiche zur Ginsberger Heide
 
Von den Fuhrleuten tief in die Landschaft eingefahren

Nach einem kurzen Stück durch Nadelwald bin ich ganz oben und erreiche die Ginsberger Heide. Hier bekomme ich volle Breitseite Zivilisation. Die Parkplätze sind voll, jede Menge Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker sind hier unterwegs. Alle nutzen den herrlichen Frühlingstag.


Viel Betrieb auf der Ginsberger Heide

Ich überlege kurz, einen Abstecher zur Ginsburg zu machen, entscheide mich aber dagegen. Bistimmt rappelvoll dort. Ich will schnell weiter, weg von dem ganzen Trubel.

Hier verlasse ich den Jung-Stilling Rundweg und werde nun einen knappen Kilometer auf dem Rothaarsteig laufen.
Das Restaurant ist sehr gut besucht, es weht ein Geruch nach Pommes durch die Frühlingsluft. Bloß schnell weg.
Außerdem lockt mich ein weiteres historisches Highlight. Am Rande der Ginsberger Heide gibt es eine alte Schanze. Nicht die Sprungschanze, hihi. Nein, eine alte Wegezollstelle, die heute noch gut zu erkennen ist. Ich brauche auch gar nicht lange suchen, habe ich sie daheim doch schon auf Google Earth ausgemacht.
Hier müssen sich damals zwei alte Handelsstraßen gekreuzt haben. Es wurde Wegezoll erhoben. Ich habe gelesen, dass pro passierendes Stück Vieh 2 Pfennig bezahlt werden musste. Das Geld wurde für den Erhalt der Straßen genutzt. Bis in die 1870er Jahre war das so.


Alte Zollstelle am Rande der Ginsburger Heide

Auf dem stark frequentierten Rothaarsteig laufe ich noch knapp 500 m bergab zur nächsten Wegekreuzung. Hier biege ich links ab auf den Hilchenbacher Höhenring. Auf diesem Weg werde ich genau 1,4 Km wandern, bis ich wieder auf den Jung-Stilling Weg treffe.

Der Weg ist anstrengend zu laufen. Sein Name ist Kolberholzweg. Und was einen Namen hat, muss auch was sein. Ich erkenne alte Straßenpflasterung. Das muss also eine spätmittelalterliche Kunststraße sein. Irgendwann hat man angefangen, sie zu bauen. Für die Fuhrwerke war es besser. Sie konnten auf der Pflasterung gut fahren, ohne dass sich die Räder der Karren in den Waldboden gruben.
Meine Füße und Knöchel sind nicht so begeistert von der Buckelpiste, und so bin ich froh, als der Weg endlich ein Ende hat.

Altes Straßenpflaster auf dem Kolberholzweg


Nicht so gut für Knöchel und Füße
 


Der Weg endet am Wanderparkplatz an der B 508, die ich wieder überquere. Hier treffe ich auch wieder auf den Jung-Stilling Rundweg.

Ich passiere den alten Vormwalder Bahnhof, an dem es sei einiger Zeit eine Event-Scheune samt Biergarten gibt. Man kann, wie der Name schon sagt, an diversen Events teilnehmen (Anmeldung erwünscht) oder aber auch die Scheune mieten, um Geburtstage, Hochzeiten etc zu feiern. Am Wochenende ist dann auch für Ausflügler geöffnet.

http://www.zollposten.de/

Der Anblick des alten Bahnhofgebäudes weckt Erinnerungen. Früher gab es auch hier einen Biergarten. Auf Wanderungen mit meinen Eltern haben wir hier oft Rast gemacht. Davon ist heute leider nichts mehr zu sehen.
 
 
Alter Bahnhof und Event-Scheue mit Biergarten



Der Name Zollposten stammt aus dem Mittelalter, damals gab es hier eine Zollstelle.


Rest der alten Zollstelle? Wer weiß...



Ab hier wird der Weg wieder richtig schön. Es geht in den Wald, und ich laufe auf weichen Tannennadeln, herrlich. So muss ein Wanderweg sein.

Wunderschöner Weg Richtung Kromberg (523 m)


Hier verläuft auch die Trasse der Rothaarbahn, die ich einmal überquere, um dann das letzte Stück bergauf zu laufen.
Es ist nur das Zwitschern der Vögel und das leise Rauschen der Bäume zu hören, ich genieße es.

Ist das nicht ein wunderbarer Weg? Ich liebe es.


Bald darauf verlasse ich den Wald und treffe auf einen Abzweig. Mein Wanderzeichen führt mich durch echten Siegerländer Hauberg bergab. Im Sommer, wenn alles grün ist, ist es sicher schöner. Aber man hat im Frühjahr auch mehr Aussicht. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Durch den kahlen Hauberg ist die Straße nach Hilchenbach zu sehen

Im Sommer ist es hier grüner und schöner


So langsam könnte mal eine Bank auftauchen, es wird Zeit für eine längere Rast, ich verspüre Hunger.
Zuerst führt mich der Weg aber an frisch gepflügten Feldern entlang.
Dann entdecke ich die gewünschte Bank, toll gelegen am Waldrand mit Ausblick ins Insbachtal.
Ich lasse mich nieder und richte mein kleines Picknick. Wir gut doch Mettwürstchen und Körnerbrötchen an der frischen Luft schmecken. Dazu gibt es Kakao, der ist noch schön kühl.
Hach, geht´s mir gut heute.

Mein Rastplatz am Waldrand....

...mit Blick auf den vor gut 3 Stunden gegangenen Weg auf dem Kam des "Hitzigen Steines"

Frisch gestärkt kann ich den Rest des Weges angehen. Jetzt ist es nicht mehr allzu weit.
Im Tal angekommen wartet auf die Wanderer eine Erfrischung: ein Wassertretbecken mit frischem Wasser, welches durch eine Quelle gespeist wird. Im Sommer sicher eine Wohltat.

Wassertretbecken im schönen Insbachtal

Auf einem geteerten Weg laufe ich weiter Richtung Grund, die ersten Häuser sind bald zu sehen. Hier treffe ich auch wieder auf Spaziergänger und Radfahrer.
Einmal zweigt der Weg noch ab und führt mich ein kurzes steiles Stück auf einen grasbewachsenen Wirtschaftsweg. Es geht ein par hundert Meter durch den Wald. Und schließlich habe ich eine wunderbare Aussicht auf Grund im Sonnenschein.

Grund mit Hauberg, dort bin ich kurz nach dem Start entlang gelaufen

Die letzten Meter auf Asphalt vorbei am Friedhof


Kurz darauf bin ich wieder im Dorf und überquere die Hauptstraße. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Startpunkt. Grund ist ein wunderschönes kleines Dorf mit viel Landwirtschaft. Man hört Pferde wiehern, man riecht Bauernhof, mir gefällt es sehr gut.
Auf einer Wiese entdecke ich noch unheimlich niedliche Hühner, die haben sogar Federn an den Beinen. Ich bleibe kurz stehen. Der Hahn kommt zutraulich näher und lässt sich fotografieren, ein wunderschönes Tier.

Das Ziel ist nah, ich sehe schon die alte Kapellenschule


Hübscher Hahn in einem Garten im Dorf


Auch seine Frau kommt näher und bringt ihre Freundin mit

 
Nach gut 4 Stunden erreiche ich wieder den Parkplatz am Dorfgemeinschaftshaus. Eine rundum schöne Wanderung geht zu Ende.


Nach gut 4 Stunden bin ich wieder am Startpunkt an der alten Kapellenschule


 




Fazit: Ein herrlicher Weg mit vielen Aussichten, der im Sommer sicher noch schöner ist. Durch die K 31, die B 508 und die B 62, die mal mehr oder weniger in der Nähe sind, hört man immer mal wieder den Verkehr. Aber die Landschaft mit ihren Ausblicken macht das wieder wett.
Die Wegbeschaffenheit wechselt zwischen gut und schlecht. Breite Wirtschaftswege, teilweise geteerte Wege zum Ende, aber auch schöne Waldpassagen auf weichem Boden. Besonders erwähnt sei der alte Hohlweg zwischen Kronprinzeneiche und Ginsberger Heide, dort ist Wandern ein richtiger Genuss.

Die Wegbeschreibung gibt es hier:

http://www.outdooractive.com/de/wanderung/siegerland-wittgenstein/jung-stilling-rundweg/100444805/

Montag, 29. Juli 2013

Wittgensteiner Mäanderweg

Wanderung vom 21.07.2013


Endlich Sommer, Sonne, Hitze. Das schreit ja gerade nach einem Tag in der Natur. Heute sollen es über 30°C werden, so bin ich schon früh auf und schaue mir die Strecke noch einmal im Internet an.
Der Wittgensteiner Mäanderweg hat sich ganz nach oben auf meine Wander-Wunschliste gemogelt. Er führt von Erndtebrück immer an dem Benfe-Bach bis ins gleichnamige Dorf Benfe. Anfangs als einfache Streckenwanderung geplant, kann man ihn seit einigen Jahren auch als etwas über 23 Km langen Rundweg laufen. Von Benfe über die Lahnhöhen zurück nach Erndtebrück.

Schnell ist der Rucksack gepackt, kurze Zeit später sitze ich schon im Auto. Kurzer Zwischenstop beim Bäcker, um meinen Proviant zu ergänzen, dann fahre ich ins 16 Km entfernte Erndtebrück.

Da ich nicht gerne durch Wohngebiet laufe, fahre ich direkt an den Ortsausgang und parke am Rande eines Firmengeländes, unweit dem offiziellen Eingangsportals des Mäanderweges.

Rucksack aufgepackt, meinen neuen Strohhut auf den Kopf gesetzt, die Trekkingstöcke geschnappt - es kann losgehen. Ich freu mich wie Bolle, als ich den ersten Blick ins Benfetal erhasche.



Über eine kleine Brücke überquere ich die Benfe und stehe kurze Zeit später vor dem Wegweiser.

 
 
Na, denn man los. Ein wenig schwer tu ich mich am Anfang schon, bin ich es doch nicht gewohnt, immer eine Straße in Sicht- und Hörweite zu haben. Bei diesem Bombenwetter sind doch einige Sonntagsausflügler unterwegs. Den Weg habe ich allerdings für mich allein.
Ein letzter Blick Richtung Erndtebrück, das so langsam hinter Bäumen verschwindet.



Auf einer Wanderkarte kann ich mir den Weg ansehen, den ich vor mir habe. Sie scheint schon älter zu sein, denn es ist nur die einfache Streckenwanderung eingezeichnet.
Für mich heißt es, bei Benfe nach links über den Berg und dann oberhalb der Dörfer Rückershausen und Oberndorf zurück nach Erndtebrück zurück. Das ist dann etwas mehr als die doppelte Strecke. Ich bin gespannt...



Die Strecke führt über einen Wirtschaftsweg, ist aber angenehm zu laufen. Auf der linken Seite Wald, rechts immer der schöne Ausblick ins Benfetal.



Bald darauf erreiche ich die erste Attraktion am Weg, eine Aussichtsplattform, von der man einen guten Blick auf die mäandrierende Benfe hat. Ein wenig irritiert bin ich im ersten Moment schon, sah es doch auf Bildern im Internet ein wenig anders aus. Die Plattfrom steht nicht mitten auf einer Wiese, sondern direkt am Wegesrand.
Okay, es gibt im Internet viele Werbeschreibungen, alte und neue. Ich habe ALLE gelesen *grins*
 
 
 

Ein paar Eindrücke vom Ausblick der Plattform.



Ich mache mich wieder auf den Weg, der sich in saften Bögen durch das Tal zieht. Bald darauf fließt die Benfe auch mal dicht am Weg. Es ist einfach herrlich zu laufen. Die Vögel zwitschern, der Bach gurgelt, so kann ich die Natur richtig genießen.


Schließlich taucht ein Brunnen am Wegesrand auf. Hier kann man sich ausruhen und erfrischen. Eine Pause brauche ich noch nicht, mache nur einen kurzen Fotostop.



Ein kurzes Stück hinter dem Brunnen gibt es einen Weg, der Richtung Straße fürht. Von hier hat man eine gute Sicht auf den Bach.


Ich marschiere fröhlich weiter. Da es kaum merklich bergauf geht, habe ich ein gutes und angenehmes Wandertempo.
Bald darauf entfernt sich der Weg kurzzeitig vom Bach und führt ein kleines Stück durch einen Wald. Abwechslung ist angesagt.


So langsam könnte mal eine Bank auftauchen. Ein kleines Päuschen wäre nicht schlecht. Der Weg führt wieder runter ins Bachtal, und bald wird mein Wunsch erfüllt -  eine Bank im Schatten. Ich bin erstaunt, dass ich in einiger Entfernung den Sportplatz von Benfe sehe. Da war ich ja wirklich flott unterwegs. Auf die Uhr habe ich nocht nicht gesehen, an Wandertagen spielt Zeit bei mir keine Rolle.

Ich mache mich wieder auf den Weg und erreiche bald darauf den Wanderparkplatz "Steinbruch" mit Hütte und Grill. Ein schöner Ort, um sich einen netten Tag in der Natur zu machen. Heute ist hier keine Menschenseele. Ein einsames Auto steht hier, der Besitzer scheint auch irgendwo durch den Wald zu spazieren.


Der Weg führt mich immer weiter an der Benfe entlang mit Blicken auf das gleichnamige Dorf. Die Leute wohnen hier wirklich traumhaft mit viel Natur umzu.



Bald darauf zeigt ein Pfeil unter dem Wanderzeichen nach links auf einen Trampelpfad den Berg hoch. Im ersten Moment bin ich erstaunt, Benfe zu verlassen. Dann fällt mir wieder ein, dass es ja noch die einfache Streckenbeschreibung im Internet gibt, wonach der Weg in Benfe entdet und man mit dem Bus zurück an den Ausgangspunkt fahren kann.

Ich gehe ja den kompletten Rundweg, also verlasse ich Benfe bergauf. Gleich im Wald entdecke ich ein uriges Baumhäuschen mit Zaun und Stehtisch. Da hat sich aber jemand Mühe gegeben.



Witzig ist, dass an der Tür ein Schloss hängt, die Fenster aber geöffnet sind. Mich würde ja interessieren, wie es in der Hütte aussieht, allerdings wirkt die Treppe nicht sonderlich stabil und sicher. Ein bisschen unheimlich ist es auch, diese Stille, obwohl das Dorf so nah ist. Lieber gehe ich weiter.
Der Weg führt als Trampelpfad  bergauf, solche Weg liebe ich. Und dieser würzige Waldduft, es ist einfach herrlich.


Oben angelangt, führt ein breiter Wirtschaftsweg über den "Benfer Rücken". Von Benfe ist nichts zu sehen, in die andere Richtung hat man wegen eines Kyrill-Kahlschlages eine tolle Aussicht ins Wittgensteiner Land.







Kurz darauf beginnt wieder der Wald und wenige Minuten stehe ich an einer gut beschilderten Wanderweg-Kreuzung mit kleiner Hütte und Bank. Hier führt der Rothaarsteig vorbei. Ich lasse mich auf die Bank plumpsen und hole meine Wasserflasche aus dem Rucksack. Schon begegnen mir die ersten Menschen seit Beginn meiner Tour, ein Paar Mountainbiker. Ein kurzer Gruß, dann besprechen sie lautstark, wohin sie fahren und schon sind sie wieder weg. Nur Sekunden später kommen die nächsten beiden angeradelt, kurz darauf folgt noch ein Damen-Trio, das aufmerksam die Wegweiser liest. Obwohl der Rothaarsteig ein Wanderweg ist, begegne ich auf meinen Touren manchmal mehr Mountainbikern als Wanderern.


 Auch ich schultere meinen Rucksack und mache mich wieder auf den Weg. Nun geht es erst noch durch den Wald, dann über eine recht freie Fläche bergab zur L 719 von Volkholz nach Großenbach, der man ein kurzes Stück folgen soll.


Der Weg führt in einigem Abstand zur Straße und lässt sich gut laufen.
Auf einmal gabelt sich der Weg, und ich sehe kein Wanderzeichen. Muss ich nur bergauf oder weiter an der Straße entlang? Wie kurz ist das kurze Stück, das man entlang der Straße gehen soll?
Ich entscheide mich erst mal für bergauf. Der Weg sieht "benutzter" aus, und im Notfall komme ich auf der anderen Seite wieder ins Benfetal. Ich entdecke einen Hochsitz und beschließe, bis dorthin zu gehen um nachzusehen, ob vielleicht ein Wanderzeichen darauf gepinselt ist. Ist es nicht, also muss ich wieder runter. Auf einmal bewegt sich etwas ein Stück unter mir, und ich entdecke ein Reh, welches sich das frische Grün schmecken lässt. So leise wie möglich hole ich meine Kamera aus der Westentasche und zoome etwas heran. Das Tier hat mich noch nicht bemerkt.

 


Erst als ich mich wieder in Bewegung setze, sieht es mich und springt - doing - doing - doing - durch das tiefe Gras fort.
Ich gehe wieder zur Weggabelung und setze meinen Weg oberhalb der Straße fort. Ein Wirtschaftsweg, mit hohem Gras bewuchert. Nach einigen Metern entdecke ich mein Wanderzeichen an einem Baum. Trotzdem habe ich das Gefühl, der Weg wird nicht oft begangen. Ist überhaupt schon außer denen, die die Wanderzeichen pinseln, jemand hier lang gegangen - vor mir?

Kurz darauf stehe ich wieder direkt an der Straße und weiß nicht weiter. Die Pfeile unter dem Wanderzeichen helfen mir nicht unbedingt weiter. Einer zeigt in die Richtung, aus der ich gerade gekommen bin, und der andere... hmmm, kann ich nicht so richtig erkennen. Bestimmt nicht direkt an der Straße entlang.

Mich zieht es auf einen Weg links den Berg hoch, irgendwo werde ich schon rauskommen. Und richtig, nach einiger Zeit treffe ich auf einen weiteren Wirtschaftsweg und entdecke den bekannten Kringel an einem Baum. Da hab ich wohl etwas abgekürzt...

Einige Zeit später komme ich an ein einsames Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäuden. Ob das der Augustenhof aus der Wegbeschreibung ist?
Er ist es. Ein Schild weist darauf hin, dass es hier schottische Hochlandrinder gibt. Ich entdecke sie auf einer Weide und bin begeistert, so hübsche Tiere.




Nach einigen 100 Metern knickt der Weg scharf nach links ab und führt durch einen wunderschönen Wald.


So langsam könnte mal eine Bank kommen, ich möchte eine Pause machen. Die kommt auch auf freiem Feld, kurz vor einem kleinen Dorf. Obwohl ich hier in der prallen Sonne sitze, macht es nichts. Es weht ein angenehmes Lüftchen. Ich strecke die Beine aus und genieße die Aussicht ins Lahntal, hach ist das schön.



Jetzt will ich doch mal wissen wie spät es ist und hole mein Handy aus dem Rucksack.
Was?????? 13.59 Uhr?????????
Ich bin schon bald 5 Stunden unterwegs und kann es kaum glauben. Der Weg kam mir doch gar nicht so lang vor. Naja, den größten Teil habe ich bereits hinter mir.
Meinen Füßen geht es sehr gut, und auch sonst spüre ich noch keine Zipperlein.
Also, weiter geht´s.

An einer Scheune ist das Wanderzeichen und ein Pfeil nach links. Hmmm, links ist eine Einfahrt zu einem Bauernhof. Ich soll also über Privatgelände laufen? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.
Ich bleibe erst einmal auf der Teerstraße und halte Ausschau nach Wegzeichen. An einem Strommast finde ich welche, nur meins ist nicht dabei.

Wieder zurück zur Scheune. Ich schaue genauer hin und sehe, dass der Bauer einen Elektrodraht über die Einfahrt gespannt hat. So können seine Pferde, die inzwischen vor mir stehen, in den Stall gehen, wann sie wollen.

Ich bleibe dann doch lieber auf dem Teerweg und hoffe auf mein Glück. Der Weg führt durch das kleine Dorf namens Weide und dann leicht bergab. Nett ist es hier.

Bald mündet der Weg in eine Hauptstraße, die in einen etwas größeren Ort führt. Rückershausen. Ich seufze. Eigentlich sollte ich oberhalb laufen und nicht mittendurch.
Wo ich doch so ungern durch Wohngebiet gehe...

Es nützt alles nichts, ich stöpsel die Gummipuffer auf meine Stockspitzen und marschiere los.
Meine etwas abgekühlte Laune bessert sich, als eine Seitenstraße links abzweigt und ein Wegweiser zur Skihütte zeigt. Bingo, die Skihütte wird in der Wegbeschreibung erwähnt.

Dazu muss ich wieder den Berg hoch. Mit Stöcken ist das aber kein Problem, ich komme gut voran.
Hinter dem letzten Haus auf der linken Seite befindet sich eine Weide und Aussicht. Ich entdecke die alte und neue Lahntalschanze.


Ich sollte jetzt auf dem Weg in der Mitte sein und nicht hier. Ich muss grinsen. Was ich vorhin abgekürzt habe, hab ich jetzt wieder angehängt.
Die Skihütte ist bald erreicht und ich bin wieder auf dem richtigen Weg, der erst durch ein Waldstück und dann über freies Feld Richtung Oberndorf führt. Oberhalb des Ortes geht es über einen Teerweg leicht bergauf und bietet wieder einmal schöne Aussichten.

 
 

Bald darauf wird es unspektakulär. Es geht durch einen Wald, in dem kräftig geforstet wurde. Davon habe ich in einem Bericht im Internet schon gelesen. Es ist wirklich nicht schön, die Fahrzeuge der Waldarbeiter haben Spuren hinterlassen. Nichts, was es zu fotografieren lohnt.

Auf der rechten Seite gibt es eine Lichtung, ich bin gespannt, ob ich sehen kann, wo ich gerade bin. Vielleicht ein Blick auf Erndtebrück?
Ich sehe in einiger Entfernung auch etwas, wieder ein Reh?
Nein, es ist ein Wildschwein. Mir wird etwas mulmig. Obwohl ich schon vor einigen Jahren alles über diese Tiere gelesen habe (sicher ist sicher), fühle ich mich nicht so wohl. Erst recht nicht, als ich zwei Schritte weiter gehe und noch drei weitere Tiere entdecke, die auf der Lichtung herumschnüffeln. Noch nie sind mir Wildschweine begegnet. Was nun? Fotografieren trau ich mich nicht.
Ich suche mein Heil in der Flucht. Getreu dem Motto "Wenn ich Dich nicht sehe, siehst Du mich auch nicht" starre ich stur auf den Weg vor mir und gehe los. Dafür, dass ich schon über 20 Km auf dem Buckel habe, in einem guten Marschtempo. Hin und wieder schaue ich über die Schulter, aber es ist nichts zu sehen. Gott sei Dank.

Ich erreiche eine Straße. Allerdings ohne Verkehr. Wo bin ich denn jetzt gelandet? Geradeaus führt ein Wanderweg weiter, es ist aber nicht meiner. Ich entscheide mich spontan für rechts. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es richtig ist. Nach einem guten Kilometer komme ich an einen Sendermast der eingezäunt ist. Auf einem Schild steht "Achtung, millitärisches Sperrgebiet". Ups...

Auf der anderen Seite des Zaunes kommt ein Soldat vorbei, in Zivil, aber mit einem Schäferhund, der bei meinem Anblick anfängt zu kläffen.
Um nicht für einen feindlichen Eindringling gehalten zu werden, frage ich ob das der Weg nach Erndtebrück ist. Der Soldat ist freundlich, bringt seinen Hund zum schweigen und zeigt in die Richtung, aus der ich gekommen bin. "Dort entlang und dann rechts"

Mann, schon wieder verlaufen. Ich bedanke mich und marschiere den Kilometer wieder zurück. An der Wanderweg-Kreuzung setze ich mich erst mal hin und trinke etwas. Und weiter.

Ich komme an die K33 und den Wanderparkplatz "Am Dill". Und wo nun hin? Auf einer Hinweistafel entdecke ich eine Übersichtskarte vom Rothaarsteig und Vorschläge für Rundwege. Mein Weg ist nicht dabei.
Sieht ganz so aus, als müsste ich an der Straße entlang zurück nach Erndtebrück.
Ich überquere die Straße und gehe rechts, wie mir der Soldat gesagt hat.
Kurz darauf entdecke ich wieder mein Wanderzeichen. Klasse, jetzt geht es wieder auf einen Waldweg.


Bald darauf muss ich wieder über die K33. Es geht noch ein kurzes Stück durch den Wald, dann komme ich an einen Kyrill-Kahlschlag und habe endlich wieder Aussicht.
Ich fange innerlich an zu jubeln, das ist doch Erndtebrück und die Straße nach Benfe.


Gott sei´s getrommelt und gepfiffen, ich hab´s fast geschafft. Meinen Füßen geht es zwar immer noch gut, aber mein Wasservorrat neigt sich dem Ende zu und ich werde langsam müde. Mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht marschiere ich flott den Berg runter und erreiche bald wieder den Zugang zum Mäanderweg Richtung Benfe.

Um 18.30 komme ich wieder an meinem Auto an, welches an einem Firmengelände brav auf mich gewartet hat.



Der erste Weg führt mich an die nahe Tankstelle, wo ich mir als Belohnung für den langen Weg eine eiskalte Coke-Zero gönne. Mann, tut das gut.
Dann geht's Richtung Hilchenbach, wo ich gegen 19 Uhr eintreffe. Erschöpft, aber zufrieden. Trotz einiger Verlaufer war es ein toller Weg.

Fazit:

Der Wittgensteiner Mäanderweg führt größtenteils über Wirtschafts- und Teerwege, die herrliche Landschaft macht das aber locker wett.
Die Wegezeichen könnten etwas zahlreicher vorhanden sein, vor allem an Abzweigungen.

Wer den Weg gehen möchte, sollte sich nicht nur die Werbeschreibungen durchlesen, sondern auch die Karten genau studieren. Ideal ist natürlich eine Wanderkate, auf der man unterwegs mal nachsehen kann (ich habe leider noch keine).

Auf jeden Fall kann ich den Weg nur weiter empfehlen.


Die Wegbeschreibung gibt es hier:

http://www.outdooractive.com/de/wanderung/siegerland-wittgenstein/maeanderweg/1513957/