Mittwoch, 23. April 2014

Auf Grenz- und Pilgerwegen

Wanderung vom 20.04.2014


Da der beste aller Ehemänner in diesem Jahr über die Ostertage leider arbeiten muss, ist ein Wandertag fest beschlossene Sache. Tagelang habe ich den Wetterbericht verfolgt, gehofft und gebangt. Aber Bingo, es ist sonniges Wetter gemeldet.

Ich habe mich für den knapp über 13 km langen Rundwanderweg "Auf Grenz- und Pilgerwegen" entschieden. Offizieller Startpunkt wäre im 6 km entfernten Heinsberg (Sauerland). Die Route führt unter anderem oberhalb des Hilchenbacher Windparks entlang. Dieser bietet sich mir als Start an, also werde ich die Tour etwas versetzt gehen.

Da der Weg keiner einheitlichen Markierung folgt, sollte man sich die Tourenbeschreibung ausdrucken, auswendig lernen oder auf das GPS Navi ziehen. Letzteres besitze ich leider noch nicht. Aber der Weg ist auf meiner Hilchenbacher Wanderkarte eingezeichnet. Wird schon schiefgehen...

Um viertel nach 10 Uhr parke ich am Zugang zum Windpark. Es ist zwar sonnig, bei 12.5°C, aber sehr windig. Die Bäume rauschen gewaltig, ich höre das gerne. Rucksack aufgepackt und los.

Parkfläche am Zugang zum Bürgerwindpark Hilchenbach.
 

Die Straße von Hilchenbach (links) nach Heinsberg (rechts), in der Mitter der Abzweig nach Brachthausen, vom Parkplatz aus gesehen.

Die Wegbeschreibung besagt, dass man auf der Albaumer Höhe einen alten Grenzstein passiert. Dem muss ich direkt heftig widersprechen. Es sind drei Grenzsteine. Intensives Recherchieren und begutachten topografischer Karten haben das erfreuliche Ergebnis gebracht. Ein weiteres Hobby von mir...

Den ersten Grenzstein entdeckt man schon hier am Abzweig nach Brachthausen, diesen habe ich schon vor einigen Jahren gefunden.

Alter Grenzstein am Abzweig nach Brachthausen.

Damals war er noch ziemlich von Gewächsen überwuchert, heute sieht man ihn schon von weitem.
Gegenüber des Grenzsteines zweigt der Hilchenbacher Höhenring ab, auf dem ich die nächsten 2 Kilometer laufe. Nach einem kurzen Waldstück erreiche ich die Lichtung der Albaumer Höhe. Hier steht der Grenzstein aus der Wegbeschreibung, man läuft direkt darauf zu.

Grenzstein auf der Albaumer Höhe.

Auf diesem Stein ist die Inschrift besonders gut zu erkennen. Das mittelalterliche Wort COLLEN bezeichnet das damalige Fürstentum Kur-Köln, dem das Sauerland einst angehörte, F bedeutet Stein F (durchlaufende Nummer, oder besser Buchstabe).
Und er zeigt uns an, wo wir uns befinden, nicht wo wir hinkommen, wenn wir die Grenze überschreiten. COLLEN bedeutet also, wir befinden uns auf Sauerländer Gebiet.
Ein großer Schritt nach vorn, und wir befinden uns im Siegerland...

Rückseite des Grenzsteines F.




 
NASSAW steht für die Grafschaft Nassau. Hier sogar O NASSAW, was Oranienburg-Nassau bedeutet, heute Siegerland.
Nur wenige Meter weiter erreicht man die Albaumer Höhe.


Vom Grenzstein aus führt der Weg wieder in den Wald.


 
 
 
Früher hab ich mich immer gefragt, warum es Albaumer Höhe heißt. Hilchenbach liegt doch viel näher dran.
Aaaaaber: Wir befinden uns im Sauerland, zwar nur ein paar Schritte, aber egal. Die Sauerländer werden diesen Platz ja nicht nach einem Siegerländer Städtchen benennen, logisch. Also ist die Höhe nach dem Örtchen Albaum benannt.
Nun aber weiter...
 
Auf dem Grenzweg läuft es sich herrlich. Außer dem Rauschen der Bäume und Vogelgezwitscher ist nichts zu hören.
 
 
Die Albaumer Höhe auf  583 m/NN.


 
Auf dem Grenzweg läuft es sich wunderbar.
 
 
Es dauert gar nicht lange, bis der nächste Grenzstein auftaucht. Er steht ebenfalls direkt am Wegesrand, beschienen von der Sonne.
 
 
Grenzstein G, der letzte auf meinem Weg.
 
Ein lauter werdendes Knirschen von hinten kündigt den ersten Mountainbiker an, der freundlich grüßend an mir vorbeirauscht. Und schon kommt mir der nächste entgegen. Der Weg scheint doch nicht so ausgestorben zu sein. Aber trotzdem wunderbar zu laufen, die Natur ist hier oben besonders schön.
Nach einiger Zeit habe ich sogar ein wenig Ausblick ins Siegerland.
 
Da möchte man doch die Schuhe ausziehen und barfuß laufen.
 
 
Hallo ins Siegerland.
 
Nun geht es leicht bergan, und zu meiner rechten lichtet sich der Wald ein wenig. Ich erkenne Wiesen und ein Gebäude.
Ich erreiche einen Abzweig mit Wegweiser, Bank und einem Holzkreuz. Hier verabschiede ich mich vom Hilchenbacher Höhenring mit seinen Grenzsteinen und biege ab. Nun geht aus auf den Kriegerweg, einen alten Handelsweg.
 
Das Holzkreuz am Schartenberg.
Auf dem Bild nicht so leicht zu erkennen: der Hohlweg "Kriegerweg".
 
Vor mir taucht die Gaststätte "Hasenbahnhof" auf. Es heißt, dass sich hier in der Abgeschiedenheit Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, daher der Name.
Ein Ehepaar spaziert mit auf dem Weg entgegen, und wir kommen ins Gespräch. Sie sind mit ihren Enkeln hier hochgefahren und erkundigen sich interessiert nach meinem Weg. Nett, die beiden.
Vor der Gaststätte verabschieden wir uns.
Noch ist es ruhig hier, über Mittag wird es sicher voll. Der Hasenbahnhof ist sehr beliebt, nicht nur bei Wanderern und Mountainbikern. Gerade kommen zwei Motorräder über die Straße von Brachthausen heraufgebrummt.
 
Gaststätte "Zum Hasenbahnhof", ein beliebtes Ausflugsziel.
 
Für mich geht es wieder in den Wald. Der alte Hohlweg ist hier neben dem Wanderweg gut zu erkennen. Ein Schild auf einem Holzpfahl weist die Wanderer auf die Besonderheit hin.
 
Information am Weg.

Auf einen Wirtschaftsweg geht es nun dem Verlauf des Kriegerweges entlang. Waldstücke und Sturmbreschen wechseln sich ab. Ab und zu steht eine Bank am Wegesrand. Die Bänke müssen aufgestellt worden sein, als es noch eine Aussicht gab. Mittlerweile schaut man auf Fichtenschonungen.

Der Weg folgt dem Verlauf des alten Kriegerweges.

Nach dem Passieren einer Wegespinne öffnet sich die Landschaft und ich habe eine erste Aussicht ins weite Sauerland.

Aussicht vom Kriegerweg ins Sauerland.

Neben Sturmbreschen folgen immer wieder schöne Waldabschnitte.

Kurze Zeit später zweigt ein Weg nach rechts ab. Schilder weisen in Richtung Gut Ahe, einem Hotel und Café, sowie der Wallfahrtskapelle Kohlhagen. Ich bleibe weiter auf dem Kriegerweg und wundere mich über fehlende Wanderzeichen. Ich hab das Gefühl, zu weit gelaufen zu sein. Bald taucht zu meiner Linken ein Rastplatz auf. Ich lasse mich nieder und studiere meine Wanderkarte. Klar bin ich zu weit, Brachthausen ist ganz in der Nähe. Also zurück zum Abzweig. Ich gehe knappe 50 Meter leicht bergab und erreiche den nächsten Wegweiser samt Ruhebank. Ja, hier bin ich wieder richtig, der Weg nach Heinsberg ist ausgeschildert. Also weiter.
Auf einmal höre ich Stimmen, Kinderstimmen. Aus dem Wald kommt eine Großfamilie samt Oma und Opa auf Osterwanderung. Ein fröhliches Hallo wechselt seine Besitzer.
Ein weiterer Wanderweg kommt von rechts und ich entdecke das schwarz-gelbe Zeichen des Rothaarsteig-Zubringerweges. Dem werde ich nun bis nach Heinsberg folgen. Verlaufen zwecklos, der RHS und seine Zuwege sind immer bestens ausgezeichnet.
Auf groben Schotter geht es abwärts, für viele Abschnitte des RHS mittlerweile typisch.

Auf dem Zubringerweg des RHS bergab.

Nach einer Schranke und einem scharfen Knick nach links werde ich doch ein wenig misstrauisch. Ein kleiner Teich, ein Wohnhaus und ein großer Bauernhof tauchen auf. Ist das die Lütke Aa aus der Wegbeschreibung? Langsam gehe ich weiter und entdecke einen Biergarten. Über dem Eingang zum großen Haus steht "Ferienhotel Café". In einiger Entfernung entdecke ich die Kirchturmspitze der Kapelle Kohlhagen. Nee, oder? Das ist hier Gut Ahe. Schnell Karte ausgepackt und draufgeschaut. Klar, ich bin zwar auf dem richtigen Weg, aber in die falsche Richtung unterwegs. Dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Aber herrlich ist es hier. Das Hotel ist der perfekte Urlaubsort für Familien mit Kindern und Wanderbegeisterte.

Ferienhotel und Café "Gut Ahe".

Im Moment ist es ruhig hier, die Gäste sind sicher alle auf Osterausflug.

Es nützt alles nichts, ich muss  zurück. Mit meinen Stöcken schiebe ich mich den Berg wieder hoch, bis zum Abzweig, an dem ich vorbeimarschiert bin.
Hätte mal besser genau hingesehen, dort ist sogar beschildert. Lütke Aa knappe 2,8 km.
Also weiter, diesmal in die richtige Richtung. Der Weg verläuft ein kurzes Stück auf einem herrlichen Waldpfad.

Auf diesem Wegabschnitt läuft es sich wunderbar.

Das Vergnügen dauert nicht lange, dann geht es weiter auf Schotter durch Windbresche, allerdings mit viel Aussicht. Und endlich entdecke ich die vertrauten Windräder unseres Windparks.

Rastplatz mit Wanderzeichen.

Windpark in Sicht.

Jetzt geht es durch ein Buchenwäldchen bergab, erst leicht, dann wird es recht steil. Und das alles auf Schotter. Ich weiß nicht, was wohl schlimmer ist, rauf oder runter.
Auch der Weg hat ein Ende und ein Schildchen an einem Baum zeigt an, dass es bis zur Lütke Aa noch 700 m sind. Schon jetzt ist zu erkennen, das dieses ein wunderschönes Tal ist. Ich bin hellauf begeistert, als ich eine Bank entdecke. Das wird mein Rastplatz. Es ist ein so herrliches Fleckchen, nach etwas unangenehmen Abstieg die wahre Glückseeligkeit.
Das kleine Bächlein Lütke Aa schlängelt sich in feinen Mäandern durch eine saftig grüne Wiese und plätschert friedlich neben meiner Bank vorbei. Kein Mensch weit und breit, nur Natur.

Mein wunderschöner Rastplatz an der Lütke Aa.

Picknick in herrlichster Natur.

Nach dem Picknick schaue ich noch einmal auf meine Wanderkarte und beschließe, den Schlenker über Heinsberg wegzulassen und den Weg zur Albaumer Höhe einzuschlagen. Das sind noch knappe 3 Km bis zu meinem Auto.
Während ich noch meinen Rucksack zurechtzuppele, kommt ein älteres Wanderpäärchen den Berg runter. Perfektes Timing. Ich verabschiede mich mit einem Gruß, und die beiden lassen sich auf der Bank nieder.

Ich folge dem Weg, der leicht ansteigend entlang der Lütke Aa verläuft. Es ist ein Wirtschaftsweg, angenehm weich und gut zu laufen. Kurze Zeit später, ich erreiche den Wald, wird es noch weicher und erste Spuren schwerer Fahrzeuge sind zu erkennen. Sa langsam wird es richtig matschig, und wären da nicht die Wegezeichen, ich würde nicht glauben, dass DAS noch der Wanderweg ist.

Hier haben die Waldarbeiter ganz Arbeit geleistet.

Glücklicherweise kann ich am Wegesrand auf Gras laufen. Aber es wird noch besser....
Irgendwann muss ich oberhalb des "Weges" entlang balancieren. Hier wäre wohl Schotter angebracht, aber bitter feinen Schotter für die Füße der Wanderer...

Doch, doch, das ist ein Wanderweg. Man beachte das Wegezeichen links am Baum...

Hoffentlich geht das nicht bis zur Albaumer Höhe so.
Nein, ich hab Glück, die Matschpiste mündet in einen trockenen Wirtschaftsweg.
Hier lässt es sich wieder angenehm laufen. Nach ein paar hundert Metern erreiche ich die Straße nach Brachthausen. Ein kurzes Päuschen auf der Bank, und es geht auf der Straße weiter. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Windpark.

Kurze Rast an der Straße nach Brachthausen.


Interessanter Wuchs... oder vielleicht krank?

Nach wenigen Minuten entdecke von weitem schon das Straßenschild und den dicken Grenzstein am Abbieger zur Straße Hilchenbach - Heinsberg. In diesem Moment kommt ein Quad um die Kurve und knattert laut und stinkend an mir vorbei. Willkommen zurück in der Zivilisation...

Zurück auf dem Parkplatz schaue ich das erste Mal auf die Uhr. Wow, erst 14.45 Uhr. Ich dachte, es sei schon viel später. Ich habe kein gutes Zeitgefühl und dachte, ich wäre länger unterwegs.
Jetzt aber ab nach Hause. Der beste aller Ehemänner kommt gleich von der Arbeit, und wir können gemütlich zusammen Kaffee trinken.

Nach 4,5 Stunden wieder am Startplatz angekommen.


Fazit: Eine wunderschöne Wandertour, auch wenn ich nicht die komplette Runde gegangen bin. Dafür aber der Abstecher zum Gut Ahe.
Bis auf die Schottertrassen auf dem RHS-Zubringer angenehm zu laufen. Besonders erwähnt sei der herrliche Rastplatz an der Lütke Aa.
Den Weg von dort hinauf zur Albaumer Höhe nehme ich mal aus der Wertung, der gehört ja offiziell nicht dazu...

Die Wegbeschreibung gibt es hier:

http://www.outdooractive.com/de/wanderung/sauerland/heinsberg-auf-grenz-und-pilgerwegen/1521436/

Montag, 10. März 2014

Jung-Stilling Rundweg

Wanderung vom 09.03.2014


Ich sollte eigentlich schreiben "Winterwanderung", denn der Frühling beginnt auf dem Kalender erst übernächste Woche. Aber das nimmt mir keiner ab bei dem Wetterchen. Viel Sonne, es wird immer wärmer, und das so früh im März...

Als ich gegen 8 Uhr aus dem Fenster schaue, bekomme ich erst einmal Gänsehaut beim Anblick der zugefrorenen Autos. Ich Frostbeule will heute wirklich wandern? Der strahlend blaue wolkenlose Himmel und die Sonne sagen allerdings was anderes. Man wäre ja schön dumm, bei dem herrlichen Wetter in der Bude zu hocken. Ich beschließe, später loszuziehen und trödle noch ein wenig herum.

Ich habe mir für heute den Jung-Stilling Rundweg ausgesucht. Mit knapp über 9 Km eher ein Wegelchen, aber ich werde mit einem kleinen Schlenker über die Ginsberger Heide auf knappe 12 Km kommen.

Beim Packen des Rucksacks und dem Schlüpfen in die Wandersocken steigt dann die Vorfreude. Um 10.20 Uhr steige ich ins Auto. Das Thermometer zeigt knappe 7°C, es fühlt sich aber wärmer an. Als ich beim Bäcker halte, sind es schon 9°C, die Sonne gibt Vollgas.

Kurz nach halb elf parke ich in Grund beim Dorfgemeinschaftshaus. Das war früher mal eine Kapellenschule. Mittlerweile hat es 11°C, und die Sonne hat gut Kraft. Geht doch...


Dorfgemeinschaftshaus "Alte Kapellenschule"
 
 
Hier gibt es auch eine Wandertafel zum Weg und Flyer zum Mitnehmen. Der Wanderer erfährt so alles, was es zum berühmten, hier in Grund geborenen Prof.Dr.med.Dr.phil h.c.Johann-Heinrich Jung, genannt Jung-Stilling (1740-1817) zu wissen gibt. Ich nehme mir einen Flyer mit, auf dem auch der Weg eingezeichnet ist. Man weiß ja nie...


Wandertafel mit Flyern zum Mitnehmen

Na, denn man los. Vertieft in den Flyer latsche ich promt am Geburtsthaus von Jung-Stilling vorbei.


Links das Geburtshaus von Jung-Stilling, rechts das alte Spritzenhaus (erbaut 1927)

Das Ende des Dorfes ist schnell erreicht. Der Weg macht einen scharfen Knick nach rechts, nun geht es stetig, aber angenehm bergauf. Zuerst durch ein kleines Waldstück, dann oberhalb von echtem Siegerländer Hauberg. Der Weg ist ziemlich zerfahren, und so laufe ich mal am Rand, mal auf dem grasbewachsenen Mittelstreifen. Bald schon kann ich einen herrlichen Blick über Grund genießen.


Blick zur Ginsburg oberhalb von Grund

Bald darauf erreiche ich den oberen Weidekampen und habe freie Sicht über unser wunderschönes Siegerland. Ich bin hoch, aber noch nicht ganz oben.


Weiter Ausblick ins Siegerland


Schöne alte Eiche am Wegesrand
Nun geht es wieder durch Nadelwald. Durch die hohen Fichten kann ich die Häuser von Grund erkennen. Aus dem Tal tönen Motorengeräusche herauf. Sonntagsausflügler auf der K 31, die durch Grund führt.
Jetzt wird der Weg breiter, das finde ich nicht so toll. Auf einem Pfosten am Wegesrand lese ich etwas von Ferngas. Aha, die haben hier wohl Gasleitungen verlegt, daher der überbreite Wirtschaftsweg. Naja, ist ja nicht mehr weit bis zur Kronprinzeneiche.
Die erreiche ich wenige Minuten später. Hier oben dröhnt der Sonntagsverkehr, es sind schon jede Menge Motorräder unterwegs. Hier mündet die von Hilchenbach kommende B508 in die B62.

Die Kronprinzeneiche wurde im am 16ten Oktober 1833 vom damaligen Prinzen und späterem König Friedrich Wilhelm IV gepflanzt. Der war nämlich unterwegs vom Bad Berleburg, wo er das Schloss besucht hat, Richtung Siegerland zur damals berühmten Grube Stahlberg. Seinerzeit verkörperte die Eiche das Sinnbild für Kraft und Beständigkeit.

Ich muss ein wenig grinsen, denn hier oben gibt es drei unter Naturschutz stehende Eichen. Welches ist denn nun die vom Friedrich? Eine Bank läd zum Verweilen ein, aber mir ist hier zu viel los. Schnell über die Straße, und dann wird es wieder besser.


Nicht so schöner Weg Richtung Kronprinzeneiche
Treppchen für die Wanderer an der Kronprinzeneiche, im Hintergrund die B 508


Hier mündet die B 508 in die B 62

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich für mittelalterliche Hohlwege, Landwehren, etc interessiere?
Auf einem solchen alten Weg geht es Richtung Ginsberger Heide. Es läuft sich herrlich auf dem weichen Laub durch Buchenwald. Ein schöner Hohlweg, ich bin begeistert. Nach einer matschigen Stelle läuft man am Rande des Weges und kann sehen, wie tief ihn die Fuhrleute damals in die Landschaft gefahren haben.


Mittelalterlicher Hohlweg von der Kronprinzeneiche zur Ginsberger Heide
 
Von den Fuhrleuten tief in die Landschaft eingefahren

Nach einem kurzen Stück durch Nadelwald bin ich ganz oben und erreiche die Ginsberger Heide. Hier bekomme ich volle Breitseite Zivilisation. Die Parkplätze sind voll, jede Menge Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker sind hier unterwegs. Alle nutzen den herrlichen Frühlingstag.


Viel Betrieb auf der Ginsberger Heide

Ich überlege kurz, einen Abstecher zur Ginsburg zu machen, entscheide mich aber dagegen. Bistimmt rappelvoll dort. Ich will schnell weiter, weg von dem ganzen Trubel.

Hier verlasse ich den Jung-Stilling Rundweg und werde nun einen knappen Kilometer auf dem Rothaarsteig laufen.
Das Restaurant ist sehr gut besucht, es weht ein Geruch nach Pommes durch die Frühlingsluft. Bloß schnell weg.
Außerdem lockt mich ein weiteres historisches Highlight. Am Rande der Ginsberger Heide gibt es eine alte Schanze. Nicht die Sprungschanze, hihi. Nein, eine alte Wegezollstelle, die heute noch gut zu erkennen ist. Ich brauche auch gar nicht lange suchen, habe ich sie daheim doch schon auf Google Earth ausgemacht.
Hier müssen sich damals zwei alte Handelsstraßen gekreuzt haben. Es wurde Wegezoll erhoben. Ich habe gelesen, dass pro passierendes Stück Vieh 2 Pfennig bezahlt werden musste. Das Geld wurde für den Erhalt der Straßen genutzt. Bis in die 1870er Jahre war das so.


Alte Zollstelle am Rande der Ginsburger Heide

Auf dem stark frequentierten Rothaarsteig laufe ich noch knapp 500 m bergab zur nächsten Wegekreuzung. Hier biege ich links ab auf den Hilchenbacher Höhenring. Auf diesem Weg werde ich genau 1,4 Km wandern, bis ich wieder auf den Jung-Stilling Weg treffe.

Der Weg ist anstrengend zu laufen. Sein Name ist Kolberholzweg. Und was einen Namen hat, muss auch was sein. Ich erkenne alte Straßenpflasterung. Das muss also eine spätmittelalterliche Kunststraße sein. Irgendwann hat man angefangen, sie zu bauen. Für die Fuhrwerke war es besser. Sie konnten auf der Pflasterung gut fahren, ohne dass sich die Räder der Karren in den Waldboden gruben.
Meine Füße und Knöchel sind nicht so begeistert von der Buckelpiste, und so bin ich froh, als der Weg endlich ein Ende hat.

Altes Straßenpflaster auf dem Kolberholzweg


Nicht so gut für Knöchel und Füße
 


Der Weg endet am Wanderparkplatz an der B 508, die ich wieder überquere. Hier treffe ich auch wieder auf den Jung-Stilling Rundweg.

Ich passiere den alten Vormwalder Bahnhof, an dem es sei einiger Zeit eine Event-Scheune samt Biergarten gibt. Man kann, wie der Name schon sagt, an diversen Events teilnehmen (Anmeldung erwünscht) oder aber auch die Scheune mieten, um Geburtstage, Hochzeiten etc zu feiern. Am Wochenende ist dann auch für Ausflügler geöffnet.

http://www.zollposten.de/

Der Anblick des alten Bahnhofgebäudes weckt Erinnerungen. Früher gab es auch hier einen Biergarten. Auf Wanderungen mit meinen Eltern haben wir hier oft Rast gemacht. Davon ist heute leider nichts mehr zu sehen.
 
 
Alter Bahnhof und Event-Scheue mit Biergarten



Der Name Zollposten stammt aus dem Mittelalter, damals gab es hier eine Zollstelle.


Rest der alten Zollstelle? Wer weiß...



Ab hier wird der Weg wieder richtig schön. Es geht in den Wald, und ich laufe auf weichen Tannennadeln, herrlich. So muss ein Wanderweg sein.

Wunderschöner Weg Richtung Kromberg (523 m)


Hier verläuft auch die Trasse der Rothaarbahn, die ich einmal überquere, um dann das letzte Stück bergauf zu laufen.
Es ist nur das Zwitschern der Vögel und das leise Rauschen der Bäume zu hören, ich genieße es.

Ist das nicht ein wunderbarer Weg? Ich liebe es.


Bald darauf verlasse ich den Wald und treffe auf einen Abzweig. Mein Wanderzeichen führt mich durch echten Siegerländer Hauberg bergab. Im Sommer, wenn alles grün ist, ist es sicher schöner. Aber man hat im Frühjahr auch mehr Aussicht. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Durch den kahlen Hauberg ist die Straße nach Hilchenbach zu sehen

Im Sommer ist es hier grüner und schöner


So langsam könnte mal eine Bank auftauchen, es wird Zeit für eine längere Rast, ich verspüre Hunger.
Zuerst führt mich der Weg aber an frisch gepflügten Feldern entlang.
Dann entdecke ich die gewünschte Bank, toll gelegen am Waldrand mit Ausblick ins Insbachtal.
Ich lasse mich nieder und richte mein kleines Picknick. Wir gut doch Mettwürstchen und Körnerbrötchen an der frischen Luft schmecken. Dazu gibt es Kakao, der ist noch schön kühl.
Hach, geht´s mir gut heute.

Mein Rastplatz am Waldrand....

...mit Blick auf den vor gut 3 Stunden gegangenen Weg auf dem Kam des "Hitzigen Steines"

Frisch gestärkt kann ich den Rest des Weges angehen. Jetzt ist es nicht mehr allzu weit.
Im Tal angekommen wartet auf die Wanderer eine Erfrischung: ein Wassertretbecken mit frischem Wasser, welches durch eine Quelle gespeist wird. Im Sommer sicher eine Wohltat.

Wassertretbecken im schönen Insbachtal

Auf einem geteerten Weg laufe ich weiter Richtung Grund, die ersten Häuser sind bald zu sehen. Hier treffe ich auch wieder auf Spaziergänger und Radfahrer.
Einmal zweigt der Weg noch ab und führt mich ein kurzes steiles Stück auf einen grasbewachsenen Wirtschaftsweg. Es geht ein par hundert Meter durch den Wald. Und schließlich habe ich eine wunderbare Aussicht auf Grund im Sonnenschein.

Grund mit Hauberg, dort bin ich kurz nach dem Start entlang gelaufen

Die letzten Meter auf Asphalt vorbei am Friedhof


Kurz darauf bin ich wieder im Dorf und überquere die Hauptstraße. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Startpunkt. Grund ist ein wunderschönes kleines Dorf mit viel Landwirtschaft. Man hört Pferde wiehern, man riecht Bauernhof, mir gefällt es sehr gut.
Auf einer Wiese entdecke ich noch unheimlich niedliche Hühner, die haben sogar Federn an den Beinen. Ich bleibe kurz stehen. Der Hahn kommt zutraulich näher und lässt sich fotografieren, ein wunderschönes Tier.

Das Ziel ist nah, ich sehe schon die alte Kapellenschule


Hübscher Hahn in einem Garten im Dorf


Auch seine Frau kommt näher und bringt ihre Freundin mit

 
Nach gut 4 Stunden erreiche ich wieder den Parkplatz am Dorfgemeinschaftshaus. Eine rundum schöne Wanderung geht zu Ende.


Nach gut 4 Stunden bin ich wieder am Startpunkt an der alten Kapellenschule


 




Fazit: Ein herrlicher Weg mit vielen Aussichten, der im Sommer sicher noch schöner ist. Durch die K 31, die B 508 und die B 62, die mal mehr oder weniger in der Nähe sind, hört man immer mal wieder den Verkehr. Aber die Landschaft mit ihren Ausblicken macht das wieder wett.
Die Wegbeschaffenheit wechselt zwischen gut und schlecht. Breite Wirtschaftswege, teilweise geteerte Wege zum Ende, aber auch schöne Waldpassagen auf weichem Boden. Besonders erwähnt sei der alte Hohlweg zwischen Kronprinzeneiche und Ginsberger Heide, dort ist Wandern ein richtiger Genuss.

Die Wegbeschreibung gibt es hier:

http://www.outdooractive.com/de/wanderung/siegerland-wittgenstein/jung-stilling-rundweg/100444805/