Mittwoch, 11. Juni 2014

Rundweg zum Müsener Schlag

Wanderung vom 08.06.2014


Der Wetterdienst meldet das heißeste Pfingsten seit langem und ich freu mich wie Bolle. Für den heutigen Tag habe ich mir als Wanderziel den Müsener Schlag ausgesucht, einen sehr gut erhaltenen historischen Grenzübergang. Dieser steht schon lange auf meiner Wunschliste.
Mit Hilfe meiner Wanderkarte und dem Tourenplaner von outdooractive.com habe ich mir einen schönen Rundwanderweg erstellt. Ein sehr gutes Helferlein im Bezug auf historische Orte ist TIM-online. TIM steht für topographisches Informationsmanagement (siehe meine Linkliste). TIM macht so manchen mittelalterlichen Leckerbissen sichtbar. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, meine geplanten Wanderrouten über TIM virtuell "abzulaufen", um nichts zu verpassen, und habe schon viel interessantes entdeckt.

Um halb 10 bin ich dann auch endlich abmarschbereit. Das Auto bleibt stehen, heute kann ich von daheim starten. In unserer Straße ist noch alles ruhig. Über das Parkdeck unseres Einkaufszentrums komme ich schnell in die Schützenstraße. Und dann folgt sogleich der erste Anstieg. Ich folge bis zu meinem Zwischenziel, dem Müsener Schlag, dem Wegezeichen des Siegerlandweges, einem 111 km langen Wanderweg von Siegen nach Iserlohn. Er ist sehr gut gekennzeichnet. Kurz vor Ende des Aufstieges habe ich noch eine schöne Sicht nach Hause. Tschüss Nachbarn, ich bin dann mal weg....

Oben steht eine Bank unter einem Baum und läd zum Verweilen ein. Okay, ich bin noch nicht allzu weit gelaufen, aber eine kleine Verschnaufpause und einen ersten Schluck Wasser gönne ich mir.


Dort drüben wohne ich


Blick von der Bank auf Hilchenbach


Nun geht es in leichtem auf und ab einen wunderschönen Wiesenweg entlang. Rechts ist Wald und links kann ich weit ins Siegerland blicken, das ist wunderbar.
Zwischendurch folgen auch mal kleine Abschnitte durch Wald. Es ist ein herrlicher Weg.


Der schöne Wiesenweg oberhalb der Carl-Krämer-Realschule...

...lässt einen weiten Blick ins Siegerland zu

Zwischendurch folgen auch kurze Waldabschnitte

 
Blick auf die Hilchenbacher Siedlung Rüsenrain

Kurz darauf erreiche ich die Straße von Hilchenbach nach Brachthausen, die ich überquere, um gleich wieder im Wald zu verschwinden.
Der schöne weiche Weg steigt nun stetig an. Aber es ist angenehm schattig und gut auszuhalten. Schließlich treffe ich auf den ersten Mountainbiker, der auf dem Wirtschaftsweg unterwegs ist, den auch ich jetzt weitergehe. Der Weg ist dünn mit Tannennadeln übersäht und daher nicht zu hart. Nach kurzer Zeit zeigt ein Schild an einem Baum an, dass ich mich auf dem Breitenberg befinde.

Fast unsichtbar verschwindet der Weg nach Überqueren der Straße wieder im Wald

Auf dem Wirtschaftsweg geht es flott voran

Der Breitenberg ist erreicht...

...und lässt kurze Zeit später einen Blick ins Siegerland zu

Auf einmal höre ich Stimmen. Kommen mir die ersten Wanderer entgegen? Nein, es sind Kinder, acht an der Zahl. Wo kommen die denn her so ganz allein? Vielleicht vom Rastplatz Wigrow? Sollte dort ein Zeltlager sein?
Das Grüppchen bleibt stehen und fragt mich, ob ich eine Station gesehen habe, also Menschen. Nein, sage ich, mir ist keiner begegnet. Die Kinder bedanken sich und laufen nun vor mir her. Schließlich biegen sie an einem Abzweig rechts ab.
Sollte das schon der Weg zur Wigrow sein? Ich schaue zur Sicherheit auf meine Karte. Nein, ich muss weiter geradeaus. Und schon kommt die nächste 8-köpfige Gruppe heftig diskutierend anmarschiert und weiß nicht, wo es weitergeht. Ich beschließe zu helfen und sage ihnen, dass eben ein paar Kinder den Weg rechts genommen haben.
Ich laufe weiter und sehe auch bald, was mit einer "Station - also Menschen" gemeint ist. Auf einer Weggabelung sitzen auf Campingstühlen zwei junge Leute. Sicherlich Betreuer der Gruppen, die als Streckenposten fungieren. Es handelt sich wohl um einen Orientierungslauf.
Nicht lange, und ich erreiche die Wigrow. Das heißt, zuerst sehe ich einige Autos am Wegesrand parken. Durch die Büsche schimmern große Zelte. Aha, also doch ein Pfingstzeltlager auf der Wigrow.
Die Kinder und ihre Betreuer haben es wirklich schön hier, und dazu noch das Wetterchen.

Die Wigrow ist eine alte Lichtung mit historischem Hintergrund. Es gibt verschiedene Erklärungen. Wi bedeutet weit, und Grow heißt Grube, also eine weite Grube? Naja, etwas unterhalb heißt ein Flurstück Wickgrube. Wigrow = Wickgrube, könnte passen.
An anderer Stelle habe ich gelesen, dass es hier früher eine Gerichtsstätte war.
Es könnte aber auch eine Meilerstätte des kleinen Weilers Merklinghausen gewesen sein. Merklinghausen war seit dem 17.Jahrhundert eine Wüstung. Es ist scheinbar nichts mehr davon zu sehen, auch TIM konnte mir keine Auskunft geben.

Heute ist die Wigrow ein beliebtes Ausflugsziel. Es gibt viele Tische und Bänke, eine Schutzhütte, eine Grillhütte und sogar eine einfache Trockentoilette. Perfekt um einen schönen Tag in der Natur zu verbringen, oder wie heute, ein Zeltlager zu veranstalten.

Ich verzichte auf eine nähere Besichtigung und laufe quer durch das Zeltlager, da mein Weg über den Platz führt.

Pfingstzeltlager auf der Wigrow

Hinter der Wigrow stehen weitere Autos, es gibt wieder Stationen - also Menschen, und immer wieder kommen mir Kinder entgegen. Darunter auch das Grüppchen, das ich als erstes getroffen habe. Sie grüßen fröhlich.
An einem Abzweig befindet sich die letzte Station - also Menschen, dann kehrt wieder Ruhe ein. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Wanderparkplatz, in dessen Nähe sich der Müsener Schlag befindet.
Aufmerksam blicke ich in den Wald zu meiner rechten und entdecke auch bald den Dreifachwall der alten Landwehr, der auch in meiner Wanderkarte eingezeichnet ist.
Die alte Grenzbefestigung ist wirklich riesig, die Wälle messen sicherlich 1,50 Höhe. Ich bin begeistert und schaue mir das Ganze näher an.

Die Grenzwälle sind sehr hoch und gut erhalten

Die Fotografin hat vor lauter Begeisterung etwas verwackelt...

Drei hohe Wälle zum Schutz von Siegen-Nassau

Ich laufe ein kurzes Stück weiter und erreiche den Wanderparkplatz mit Schutzhütte und Bank. Hier werde ich meine Pause machen. Aber zuerst will ich mir die alte Zollstelle ansehen.
Neben der Schutzhütte führt der Weg unspektakulär über die Grenze. Der historische Platz liegt ein wenig abseits im Wald. Das finde ich richtig gut. Ich habe schon andere alte Zollstellen gesehen, die waren ziemlich enttäuschend. Zum Beispiel der Oberndorfer Schlag, da ist bald nix mehr übrig, da die Straße von Hilchenbach nach Heinsberg dort entlang führt. Durch den Straßenbau wurde viel zerstört.
Oder der Abzweig nach Brachthausen, an dem ich Ostern meine Tour gestartet bin. Ich habe erst durch TIM erfahren, dass es sich um den Albaumer Schlag handelt. Dort steht nur noch der alte Grenzstein, sonst ist nicht mehr viel zu sehen.

Hier, am Müsener Schlag, ist alles anders. Kein Wirtschaftsweg und keine Straße führt über den historischen Platz. Dafür muss man ihn auch ein wenig suchen *grins*.

Man geht also neben der Schutzhütte über die Grenze und dann den Weg nach links. Am zweiten Baum mit Wanderzeichen muss man links in den Wald hinein, über Stock und Stein. Nach ca 30 Metern steht man dann direkt am Grenzstein P.

Ich bin hellauf begeistert, wie gut hier alles erhalten ist. Der Grenzstein steht immerhin seit 1690 hier auf dem Wall. Und wie mächtig der alte Hohlweg ist. Ich komme aus dem Fotografieren gar nicht raus. Allerdings kommen auf den Bildern die Dimensionen der alten Zollstelle nicht so gut rüber. Aber es ist trotzdem toll.

Der Grenzstein P am Müsener Schlag...

...steht schon über 300 Jahre auf dem Grenzwall

Das Laub vieler Jahre hat den breiten Hohlweg aufgefüllt


Der mächtige Hohlweg Richtung Schlag


Ich mag mich gar nicht trennen, aber es wird Zeit für eine kleine Rast. Dazu wechsle ich wieder ins Siegerland und setze mich auf die Bank neben der Schutzhütte. Ich habe den Platz ganz für mich allein und genieße die Ruhe. Die Flasche Malzbier aus meinem Rucksack ist noch angenehm kühl. Habe ich schon erwähnt, dass Mettwürstchen an der frischen Luft besonders gut schmecken?



Pause auf Siegerländer Boden
 
Nach einer guten halben Stunde mache ich mich wieder auf den Weg. Jetzt geht es erst einmal im Sauerland weiter.
Auf einem Wirtschaftsweg marschiere ich Richtung NSG Dollenbruch. Hier begegnen mir einige Mountainbiker. Die scheinen heute in der Überzahl zu sein...
Neben meinem Weg verläuft ein nicht ganz so tiefer Hohlweg, wahrscheinlich die alte Handelsroute zwischen Brachthausen und Müsen.

Hohlweg Richtung Müsener Schlag

Nach einer Weile komme ich an eine Wegekreuzung. Auf dem Wegweiser steht, dass ich mich an der Schutzhütte Dollenbruch befinde. Hmmm, ich schaue rechts, links, oben, unten, keine Hütte weit und breit.
Vielleicht ist aber auch sinnbildlich die große Wurzel der riesigen Fichte damit gemeint. Da könnte man sich schon quer drunterlegen.

Dient diese Wurzel als Schutzhütte?

Nun steigt der Weg wieder stetig an und verleitet zum Trödeln. Die Aussicht ist aber auch herrlich bei diesem Wetterchen....

Saftiges Grün soweit das Auge reicht

Ist das nicht herrlich?


Ob Kühe auch schwitzen?

Im Hintergrund ist der Aussichtsturm auf dem Kindelsberg zu erkennen


Die ersten Wanderer und Spaziergänger kommen mir entgegen. Es ist also nicht mehr weit bis zum Wanderparkplatz an der Vorspanneiche.
Und schon bin ich da. Hier stehen jede Menge Bänke, also wird ein kleines Päuschen gemacht.
Die Vorspanneiche heißt Vorspanneiche weil hier im Mittelalter vor- und auch abgespannt wurde. Damals gab es ja weder richtige Straßen noch LKW. Die schwere Fracht (Roheisen, Rohstahl, Kohle,...) wurde meist auf 2-rädrigen Karren transportiert, die von einem Ochsen oder Pferd gezogen wurden. In den Hohlwegen konnte das schon mal sehr schwer werden. Die Fuhrleute konnten sich dann im Tal gegen Geld weitere Gespanne mieten. Ich habe gelesen, dass einmal acht Ochsen einen 10 bis 12 Zentner schweren Karren den Berg rauf gezogen haben. Obern wurde dann wieder ausgespannt.
Oder auch wieder vorgespannt. Die alten Karren besaßen ja noch keine Bremsen. Man blockierte einfach die Räder. Der Wagen wurde dann wie ein Schlitten ins Tal gezogen, und dazu brauchte man auch zusätzliche Tiere.
Hier, in der Nähe der alten Eiche, war also immer gut Betrieb.

Wanderparkplatz Vorspanneiche

Hinweistafel mit Wandertipps

Die Vorspanneiche an der Straße von Hilchenbach nach Brachthausen

Ich überquere die Straße und mache mich an den letzten Anstieg auf den Wimberg. Angenehm zu laufen, da der Wald Schatten bietet.

Schöner Aufstieg zum Wimberg

Kurz vor einer Wegekreuzung leuchtet mir etwas entgegen. Was ist denn das? Mitten auf der Kreuzung befindet sich ein nagelneuer Rastplatz unter einer Linde. Wunderschön gemacht. Der Platz nennt sich "Springemes Kieke". Klingt nach Sauerland.
Man sitzt hier richtig auf dem Präsentierteller. Ich finds klasse, auch wenn ich keine Pause mache.

Rastplatz "Springemes Kieke", nagelneu und wunderschön

Hier biege ich rechts ab, und nach knappen 100 Metern wieder scharf links. Nun befinde ich mich wieder auf dem Grenzweg. In TIMs topographischer Karte ist hier ein historischer Grenzstein eingezeichnet. Hmmm, ich sehe nichts. Vielleicht gut zugewachsen oder auch nicht mehr ganz heil. Nicht alle alten Grenzsteine sind so gut erhalten wie diese, die ich auf meiner Osterwanderung bewundern konnte.
Im Gegensatz zu Ostern ist es hier heute sehr ruhig. Nix los, keine Wanderer, keine Moutainbiker. Vielleicht zu warm....

Als ein Weg abzweigt, lese ich auf dem Wegweiser "Schartenberg Ost". Ich muss lachen, das klingt ja wie eine Autobahnabfahrt.

Bald darauf erreiche ich wieder das Holzkreuz, an dem ich Ostern schon vorbeigekommen bin. Nur heute komme ich aus der anderen Richtung. Übrigens ist das hier die Abfahrt Schartenberg West...

Ich setze mich kurz auf die Bank und mache mich bald wieder auf den Weg. Nun beginnt der Abstieg nach Hilchenbach.

Bank an der "Abfahrt Schartenberg-West"...

Zuerst auf einem alten, sehr bewachsenen Wirtschaftsweg. Hier ist schon lange kein Fahrzeug mehr gefahren, Fingerhut übernimmt die Herrschaft und wächst teilweise mitten auf dem Weg. Später wechsle ich auf einen guten Weg und es geht recht unspektakulär abwärts. Rechts Wald, links Wald.

Zuerst auf einem alten.....

...dann auf einem Schotterweg geht es ins Tal.

Schließlich hat der Abstieg ein Ende und ich überquere den Langenfelder Bach, der in Hilchenbach in den Ferndorfbach mündet (soviel Bach in einem Satz...)

Der Langenfelder Bach

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Hause. Schon bald kann ich durch die Bäume die kleine Kapelle des Hilchenbacher Friedhofs erkennen.
Auf kleinen Trampelpfaden geht es die letzten Meter, bis ich wieder daheim angekommen bin.


Die letzten Meter auf schönem Trampelpfad

Hallooooo, bin wieder zurück...

Nach knappen 6 Stunden bin ich wieder zu Hause. Okay, 6 Stunden für etwas über 14 Km ist eine Menge. Aber ich bin manchmal eine Trödel-Wanderin, und es gab ja auch viel zu sehen. Und es war seeeeeeehr warm...


Fazit: Meine erste selbst erstellte Wandertour, ich bin sehr zufrieden. Schöne Wege, viel Aussicht und der alte Müsener Schlag, mir hat es sehr gut gefallen.

Ich habe den Weg bereits abgespeichert, allerdings mit Start- und Zielpunkt Hilchenbacher Marktplatz. Dort gibt es viele kostenlose Parkmöglichkeiten.

Besonders gefreut habe ich mich über die lobenden Worte aus der outdooractive-Redaktion für meine Tour. Auf diesem Wege herzlichen Dank dafür.


 
http://www.outdooractive.com/de/wanderung/siegerland-wittgenstein/rundwanderweg-zum-muesener-schlag/102322851/




Mittwoch, 23. April 2014

Auf Grenz- und Pilgerwegen

Wanderung vom 20.04.2014


Da der beste aller Ehemänner in diesem Jahr über die Ostertage leider arbeiten muss, ist ein Wandertag fest beschlossene Sache. Tagelang habe ich den Wetterbericht verfolgt, gehofft und gebangt. Aber Bingo, es ist sonniges Wetter gemeldet.

Ich habe mich für den knapp über 13 km langen Rundwanderweg "Auf Grenz- und Pilgerwegen" entschieden. Offizieller Startpunkt wäre im 6 km entfernten Heinsberg (Sauerland). Die Route führt unter anderem oberhalb des Hilchenbacher Windparks entlang. Dieser bietet sich mir als Start an, also werde ich die Tour etwas versetzt gehen.

Da der Weg keiner einheitlichen Markierung folgt, sollte man sich die Tourenbeschreibung ausdrucken, auswendig lernen oder auf das GPS Navi ziehen. Letzteres besitze ich leider noch nicht. Aber der Weg ist auf meiner Hilchenbacher Wanderkarte eingezeichnet. Wird schon schiefgehen...

Um viertel nach 10 Uhr parke ich am Zugang zum Windpark. Es ist zwar sonnig, bei 12.5°C, aber sehr windig. Die Bäume rauschen gewaltig, ich höre das gerne. Rucksack aufgepackt und los.

Parkfläche am Zugang zum Bürgerwindpark Hilchenbach.
 

Die Straße von Hilchenbach (links) nach Heinsberg (rechts), in der Mitter der Abzweig nach Brachthausen, vom Parkplatz aus gesehen.

Die Wegbeschreibung besagt, dass man auf der Albaumer Höhe einen alten Grenzstein passiert. Dem muss ich direkt heftig widersprechen. Es sind drei Grenzsteine. Intensives Recherchieren und begutachten topografischer Karten haben das erfreuliche Ergebnis gebracht. Ein weiteres Hobby von mir...

Den ersten Grenzstein entdeckt man schon hier am Abzweig nach Brachthausen, diesen habe ich schon vor einigen Jahren gefunden.

Alter Grenzstein am Abzweig nach Brachthausen.

Damals war er noch ziemlich von Gewächsen überwuchert, heute sieht man ihn schon von weitem.
Gegenüber des Grenzsteines zweigt der Hilchenbacher Höhenring ab, auf dem ich die nächsten 2 Kilometer laufe. Nach einem kurzen Waldstück erreiche ich die Lichtung der Albaumer Höhe. Hier steht der Grenzstein aus der Wegbeschreibung, man läuft direkt darauf zu.

Grenzstein auf der Albaumer Höhe.

Auf diesem Stein ist die Inschrift besonders gut zu erkennen. Das mittelalterliche Wort COLLEN bezeichnet das damalige Fürstentum Kur-Köln, dem das Sauerland einst angehörte, F bedeutet Stein F (durchlaufende Nummer, oder besser Buchstabe).
Und er zeigt uns an, wo wir uns befinden, nicht wo wir hinkommen, wenn wir die Grenze überschreiten. COLLEN bedeutet also, wir befinden uns auf Sauerländer Gebiet.
Ein großer Schritt nach vorn, und wir befinden uns im Siegerland...

Rückseite des Grenzsteines F.




 
NASSAW steht für die Grafschaft Nassau. Hier sogar O NASSAW, was Oranienburg-Nassau bedeutet, heute Siegerland.
Nur wenige Meter weiter erreicht man die Albaumer Höhe.


Vom Grenzstein aus führt der Weg wieder in den Wald.


 
 
 
Früher hab ich mich immer gefragt, warum es Albaumer Höhe heißt. Hilchenbach liegt doch viel näher dran.
Aaaaaber: Wir befinden uns im Sauerland, zwar nur ein paar Schritte, aber egal. Die Sauerländer werden diesen Platz ja nicht nach einem Siegerländer Städtchen benennen, logisch. Also ist die Höhe nach dem Örtchen Albaum benannt.
Nun aber weiter...
 
Auf dem Grenzweg läuft es sich herrlich. Außer dem Rauschen der Bäume und Vogelgezwitscher ist nichts zu hören.
 
 
Die Albaumer Höhe auf  583 m/NN.


 
Auf dem Grenzweg läuft es sich wunderbar.
 
 
Es dauert gar nicht lange, bis der nächste Grenzstein auftaucht. Er steht ebenfalls direkt am Wegesrand, beschienen von der Sonne.
 
 
Grenzstein G, der letzte auf meinem Weg.
 
Ein lauter werdendes Knirschen von hinten kündigt den ersten Mountainbiker an, der freundlich grüßend an mir vorbeirauscht. Und schon kommt mir der nächste entgegen. Der Weg scheint doch nicht so ausgestorben zu sein. Aber trotzdem wunderbar zu laufen, die Natur ist hier oben besonders schön.
Nach einiger Zeit habe ich sogar ein wenig Ausblick ins Siegerland.
 
Da möchte man doch die Schuhe ausziehen und barfuß laufen.
 
 
Hallo ins Siegerland.
 
Nun geht es leicht bergan, und zu meiner rechten lichtet sich der Wald ein wenig. Ich erkenne Wiesen und ein Gebäude.
Ich erreiche einen Abzweig mit Wegweiser, Bank und einem Holzkreuz. Hier verabschiede ich mich vom Hilchenbacher Höhenring mit seinen Grenzsteinen und biege ab. Nun geht aus auf den Kriegerweg, einen alten Handelsweg.
 
Das Holzkreuz am Schartenberg.
Auf dem Bild nicht so leicht zu erkennen: der Hohlweg "Kriegerweg".
 
Vor mir taucht die Gaststätte "Hasenbahnhof" auf. Es heißt, dass sich hier in der Abgeschiedenheit Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, daher der Name.
Ein Ehepaar spaziert mit auf dem Weg entgegen, und wir kommen ins Gespräch. Sie sind mit ihren Enkeln hier hochgefahren und erkundigen sich interessiert nach meinem Weg. Nett, die beiden.
Vor der Gaststätte verabschieden wir uns.
Noch ist es ruhig hier, über Mittag wird es sicher voll. Der Hasenbahnhof ist sehr beliebt, nicht nur bei Wanderern und Mountainbikern. Gerade kommen zwei Motorräder über die Straße von Brachthausen heraufgebrummt.
 
Gaststätte "Zum Hasenbahnhof", ein beliebtes Ausflugsziel.
 
Für mich geht es wieder in den Wald. Der alte Hohlweg ist hier neben dem Wanderweg gut zu erkennen. Ein Schild auf einem Holzpfahl weist die Wanderer auf die Besonderheit hin.
 
Information am Weg.

Auf einen Wirtschaftsweg geht es nun dem Verlauf des Kriegerweges entlang. Waldstücke und Sturmbreschen wechseln sich ab. Ab und zu steht eine Bank am Wegesrand. Die Bänke müssen aufgestellt worden sein, als es noch eine Aussicht gab. Mittlerweile schaut man auf Fichtenschonungen.

Der Weg folgt dem Verlauf des alten Kriegerweges.

Nach dem Passieren einer Wegespinne öffnet sich die Landschaft und ich habe eine erste Aussicht ins weite Sauerland.

Aussicht vom Kriegerweg ins Sauerland.

Neben Sturmbreschen folgen immer wieder schöne Waldabschnitte.

Kurze Zeit später zweigt ein Weg nach rechts ab. Schilder weisen in Richtung Gut Ahe, einem Hotel und Café, sowie der Wallfahrtskapelle Kohlhagen. Ich bleibe weiter auf dem Kriegerweg und wundere mich über fehlende Wanderzeichen. Ich hab das Gefühl, zu weit gelaufen zu sein. Bald taucht zu meiner Linken ein Rastplatz auf. Ich lasse mich nieder und studiere meine Wanderkarte. Klar bin ich zu weit, Brachthausen ist ganz in der Nähe. Also zurück zum Abzweig. Ich gehe knappe 50 Meter leicht bergab und erreiche den nächsten Wegweiser samt Ruhebank. Ja, hier bin ich wieder richtig, der Weg nach Heinsberg ist ausgeschildert. Also weiter.
Auf einmal höre ich Stimmen, Kinderstimmen. Aus dem Wald kommt eine Großfamilie samt Oma und Opa auf Osterwanderung. Ein fröhliches Hallo wechselt seine Besitzer.
Ein weiterer Wanderweg kommt von rechts und ich entdecke das schwarz-gelbe Zeichen des Rothaarsteig-Zubringerweges. Dem werde ich nun bis nach Heinsberg folgen. Verlaufen zwecklos, der RHS und seine Zuwege sind immer bestens ausgezeichnet.
Auf groben Schotter geht es abwärts, für viele Abschnitte des RHS mittlerweile typisch.

Auf dem Zubringerweg des RHS bergab.

Nach einer Schranke und einem scharfen Knick nach links werde ich doch ein wenig misstrauisch. Ein kleiner Teich, ein Wohnhaus und ein großer Bauernhof tauchen auf. Ist das die Lütke Aa aus der Wegbeschreibung? Langsam gehe ich weiter und entdecke einen Biergarten. Über dem Eingang zum großen Haus steht "Ferienhotel Café". In einiger Entfernung entdecke ich die Kirchturmspitze der Kapelle Kohlhagen. Nee, oder? Das ist hier Gut Ahe. Schnell Karte ausgepackt und draufgeschaut. Klar, ich bin zwar auf dem richtigen Weg, aber in die falsche Richtung unterwegs. Dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Aber herrlich ist es hier. Das Hotel ist der perfekte Urlaubsort für Familien mit Kindern und Wanderbegeisterte.

Ferienhotel und Café "Gut Ahe".

Im Moment ist es ruhig hier, die Gäste sind sicher alle auf Osterausflug.

Es nützt alles nichts, ich muss  zurück. Mit meinen Stöcken schiebe ich mich den Berg wieder hoch, bis zum Abzweig, an dem ich vorbeimarschiert bin.
Hätte mal besser genau hingesehen, dort ist sogar beschildert. Lütke Aa knappe 2,8 km.
Also weiter, diesmal in die richtige Richtung. Der Weg verläuft ein kurzes Stück auf einem herrlichen Waldpfad.

Auf diesem Wegabschnitt läuft es sich wunderbar.

Das Vergnügen dauert nicht lange, dann geht es weiter auf Schotter durch Windbresche, allerdings mit viel Aussicht. Und endlich entdecke ich die vertrauten Windräder unseres Windparks.

Rastplatz mit Wanderzeichen.

Windpark in Sicht.

Jetzt geht es durch ein Buchenwäldchen bergab, erst leicht, dann wird es recht steil. Und das alles auf Schotter. Ich weiß nicht, was wohl schlimmer ist, rauf oder runter.
Auch der Weg hat ein Ende und ein Schildchen an einem Baum zeigt an, dass es bis zur Lütke Aa noch 700 m sind. Schon jetzt ist zu erkennen, das dieses ein wunderschönes Tal ist. Ich bin hellauf begeistert, als ich eine Bank entdecke. Das wird mein Rastplatz. Es ist ein so herrliches Fleckchen, nach etwas unangenehmen Abstieg die wahre Glückseeligkeit.
Das kleine Bächlein Lütke Aa schlängelt sich in feinen Mäandern durch eine saftig grüne Wiese und plätschert friedlich neben meiner Bank vorbei. Kein Mensch weit und breit, nur Natur.

Mein wunderschöner Rastplatz an der Lütke Aa.

Picknick in herrlichster Natur.

Nach dem Picknick schaue ich noch einmal auf meine Wanderkarte und beschließe, den Schlenker über Heinsberg wegzulassen und den Weg zur Albaumer Höhe einzuschlagen. Das sind noch knappe 3 Km bis zu meinem Auto.
Während ich noch meinen Rucksack zurechtzuppele, kommt ein älteres Wanderpäärchen den Berg runter. Perfektes Timing. Ich verabschiede mich mit einem Gruß, und die beiden lassen sich auf der Bank nieder.

Ich folge dem Weg, der leicht ansteigend entlang der Lütke Aa verläuft. Es ist ein Wirtschaftsweg, angenehm weich und gut zu laufen. Kurze Zeit später, ich erreiche den Wald, wird es noch weicher und erste Spuren schwerer Fahrzeuge sind zu erkennen. Sa langsam wird es richtig matschig, und wären da nicht die Wegezeichen, ich würde nicht glauben, dass DAS noch der Wanderweg ist.

Hier haben die Waldarbeiter ganz Arbeit geleistet.

Glücklicherweise kann ich am Wegesrand auf Gras laufen. Aber es wird noch besser....
Irgendwann muss ich oberhalb des "Weges" entlang balancieren. Hier wäre wohl Schotter angebracht, aber bitter feinen Schotter für die Füße der Wanderer...

Doch, doch, das ist ein Wanderweg. Man beachte das Wegezeichen links am Baum...

Hoffentlich geht das nicht bis zur Albaumer Höhe so.
Nein, ich hab Glück, die Matschpiste mündet in einen trockenen Wirtschaftsweg.
Hier lässt es sich wieder angenehm laufen. Nach ein paar hundert Metern erreiche ich die Straße nach Brachthausen. Ein kurzes Päuschen auf der Bank, und es geht auf der Straße weiter. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Windpark.

Kurze Rast an der Straße nach Brachthausen.


Interessanter Wuchs... oder vielleicht krank?

Nach wenigen Minuten entdecke von weitem schon das Straßenschild und den dicken Grenzstein am Abbieger zur Straße Hilchenbach - Heinsberg. In diesem Moment kommt ein Quad um die Kurve und knattert laut und stinkend an mir vorbei. Willkommen zurück in der Zivilisation...

Zurück auf dem Parkplatz schaue ich das erste Mal auf die Uhr. Wow, erst 14.45 Uhr. Ich dachte, es sei schon viel später. Ich habe kein gutes Zeitgefühl und dachte, ich wäre länger unterwegs.
Jetzt aber ab nach Hause. Der beste aller Ehemänner kommt gleich von der Arbeit, und wir können gemütlich zusammen Kaffee trinken.

Nach 4,5 Stunden wieder am Startplatz angekommen.


Fazit: Eine wunderschöne Wandertour, auch wenn ich nicht die komplette Runde gegangen bin. Dafür aber der Abstecher zum Gut Ahe.
Bis auf die Schottertrassen auf dem RHS-Zubringer angenehm zu laufen. Besonders erwähnt sei der herrliche Rastplatz an der Lütke Aa.
Den Weg von dort hinauf zur Albaumer Höhe nehme ich mal aus der Wertung, der gehört ja offiziell nicht dazu...

Die Wegbeschreibung gibt es hier:

http://www.outdooractive.com/de/wanderung/sauerland/heinsberg-auf-grenz-und-pilgerwegen/1521436/