Montag, 13. April 2015

Historischer Rundweg Achenbach

Wanderung vom 12.04.2015


Endlich wieder wandern. Den Winter über habe ich mir eine Wunsch-Wanderliste per Exel erstellt, damit ich nicht vergesse, wo ich noch wandern möchte.

Der heutige Tag verspricht viel Sonne und bis zu 16°C. Perfekt, um meine persönliche Wandersaison zu starten.

Ich habe mir den historischen Rundweg Achenbach ausgesucht, ein etwas über 11 Km langen Themenweg, der im Siegener Stadtteil Achenbach beginnt. "Von der La-Tene-Zeit in die Moderne", das Motto verspricht viel Abwechslung, und die Bilder in der Wegbeschreibung lassen auf einen Tag in schöner Natur hoffen.

Um viertel vor 10 fahre ich auf den Parkplatz des Edeka-Marktes in Achenbach, direkt gegenüber des Wanderportals. Mein neuer Rucksack sitzt perfekt, also Stöcke geschnappt und über die Straße.

Der Weg beginnt an der Gedenkstätte für die belgische Garnison, die bis 1991 in Siegen stationiert war.

Ein Tor zur ehemaligen belgischen Kaserne, dahinter der Gedenkstein

Wegbeschreibung auf der ersten Infotafel

Nach kurzer Information marschiere ich los. Es geht ein Stück an der Hauptstraße in Richtung Alt-Achenbach entlang. Kaum Verkehr, wenig los, ein richtiger Sonntagmorgen.

Im Hintergrund ist schon der Abzweig des Weges nach oben zu sehen.

Nach knapp 300 Metern Straße biegt der Wanderweg nach rechts oben ab. Nur wenige Meter, und die nächste Station ist erreicht. Die Friedenskirche, Schenkung einer amerikanischen Gemeinde nach dem Krieg. Sie stand zuerst dort, wo heute die Siegerlandhalle steht und wurde nach dem Bau derselben hier in Achenbach wieder aufgestellt.

Friedenskirche

Unterhalb der Kirche hat man einen Blick nach Achenbach

Auf einem Waldpfad geht es weiter. Viele Hundebesitzer nutzen diesen Weg für eine Runde mit ihren Vierbeinern.

Es geht hier am Engsbachtal entlang. Hier am Hang fanden Archäologen 1933 und 1934 die ersten Schmelzöfen im Siegerland, was auf einen vorgeschichtlichen Hüttenbetrieb schließt. Viele der sogenannten Rennöfen wurden ausgegraben. Einer ist im Siegerland-Museum im oberen Schloss zu bewundern.

Einen solchen Ofen hat man hier am Weg originalgetreu nachgebaut. Himweistafeln in formieren über den damaligen Betrieb eines solchen Ofens. Sehr interessant.

Nachbau eines Rennofens aus vorgeschichtlicher Zeit

Der Weg steigt angenehm an, und so langsam lässt der Geräuschpegel der Autos nach. Vogelgezwitscher dominiert, die gefiederten Sänger geben wirklich alles an diesem sonnigen Sonntagmorgen. Ich finde es herrlich.

Auf einmal zweigt der Weg nach links ab. Man wird in das steile Ufer des Engsbach geleitet. Auf einem Trampelpfad geht es am Bach entlang. Super.

Steil geht es runter an den Bach

Wildes Engsbachtal

Schließlich steigt man wieder auf den Weg auf. Inzwischen ist mir eine vierköpfige Spaziergängergruppe auf den Fersen, ich kann sie am Bach hören.

Am rechten Wegesrand erinnert eine kleine Gedenkstätte an einen belgischen Soldaten, der während eines Geländelaufes an dieser Stelle am Sekundentod starb. Auf der anderen Seiten informiert eine Tafel über die Eisenverhüttung vergangener Zeiten. Während ich lese, zieht mein Verfolgerfeld vorbei.

Der Weg steigt nun etwas steiler an. Ich erreiche eine Wegekreuzung, an der eine Bank steht. Kurz setzen, Stille genießen und Abstand zu den Spaziergängern vergrößern.

Okay, weiter geht es. Immer noch leicht bergan durch hohen Fichtenwald. Nicht lange, und ich bin oben. Hektisches Stockgeklapper von hinten kündigt Nordic-Walker an, die mit einem "Hallo" an mir vorbei ziehen und flott den Weg abwärts marschieren. Ich schlendere hinterher und schaue auf irgendwelche Betonbauten hinter einem Zaun. Sollte das der ehemalige Schießstand der deutschen Wehrmacht sein, der nun zu einer Erholungsanlage umgebaut wird? Sollte ich nicht unterhalb davon vorbeilaufen? Ich meine, auf der Karte im Internet war das so.
Am Ende des Weges merke ich dann auch, dass hier keine Wanderzeichen mehr zu sehen sind.
Schön, ohne Verlaufer wird es bei mir wohl nie gehen. Also zurück - marsch, marsch, jeder Gang macht schlank. Sind ja nur knapp 500 m.

Allerdings hätte ich dann auch nicht den Gruß an die Wanderer gesehen, den jemand auf einem Baumstupf hinterlassen hat.


Weihnachtlich-österlicher Gruß an die Wanderer

Wieder zurück auf der kleinen Anhöhe entdecke ich auch mein Wanderzeichen wieder, das gut sichtbar nach rechts zeigt. Merke: Nicht den Walkern hinterher laufen, sondern Wegezeichen gucken....

Es geht auf einem ebenen Weg weiter, links Laubwald, rechts Nadelwald. Nach nur wenigen Metern erreiche ich die neue Straße am Rande der Siedlung am Fischbacher Berg. Hier wurde die Wegführung leicht geändert. Normalerweise ginge es kurz die Straße entlang und dann wieder auf einen Waldweg. Jetzt aber wird der Wanderer direkt in den Wald geleitet. Man kürzt quasi ab und läuft fast weglos durch hohe Laubbäume. Witzig.

 
Es geht mitten durch den noch kahlen Wald.


Gegenüber einer Kleingartenanlage komme ich wieder auf den Weg und schaue zurück. Sieht schon lustig aus. Man könnte meinen, die Wanderer irren durch den Wald, weil der Weg kaum zu erkennen ist.


Durch den Wald ist die Straße zum ehemaligen Schießstand zu erkennen.

Am Rande einer Kleingartenkolonie geht es normal weiter

Am Ende der Kleingartenkolonie geht es im Zick-Zack auf einen schönen Waldweg. Der Abstieg ins Numbachtal beginnt, und das ist richtig toll. Menschliche Geräusche sind nicht mehr zu hören. Links plätschert der Numbach, und viele Vögel zwitschern. Ich höre sogar einen Specht klopfen, kann ihn aber nicht sehen. Natur pur, Genuss pur.

Der Numbach begleitet den Wanderer ins Tal

Genuss für Augen und Ohren

Nach einer Weile wird der Weg ziemlich matschig. Ich bin dankbar für meine Wanderstöcke, sie helfen mir dabei,  am schmalen Wegesrand entlang zu gehen. An einer Stelle hat sogar jemand große Steine in den Matsch gelegt, als Hilfe. Trotzdem ist es immer noch wunderbar.
Es hat schon etwas von Abenteuer, als ich auch noch unter einem umgestürzten Baum durch gehe.

Abenteuer-Passage

Nach kurzer Zeit wird der Weg wieder trockener, und ich erreiche eine Kreuzung mit Bank. Ich setze mich kurz in und versuche, mit den Stockspitzen den Matsch von den Schuhen zu kratzen. Klappt nicht wirklich gut, aber der Weg ist mit Gras bewachsen, da werden die Schuhe sicher wieder sauber.

Blick zurück von der Bank aus

Matsche-Füße

Auf die Idee, im seichten Bachbett zu waten, komme ich nicht.....

Der Weg geht weiter oberhalb des Numbaches. Auf einmal kommen Häuser in Sicht, die Numbach-Siedlung. Man braucht aber nicht durch Wohngebiet laufen, sondern wird über eine Brücke über den Bach geleitet, um dann auf einer Wiese weiter zum Wald zu gehen. Das gefällt mir sehr gut.

Auf der Brücke über den Numbach

Über die Wiese zum Wald

Der Weg endet an einem Wanderparkplatz. Nur wenige Schritte über Asphalt, und ich bin wieder auf einem Wirtschaftsweg.
Es geht nun wieder stetig bergauf, der Buberg wartet.

Nun sind auch wieder Autos zu hören, die im Tal von Siegen Richtung Autobahnauffahrt Freudenberg und zurück fahren. Viel los an diesem sonnigen Tag. Ab und zu kann ich durch die noch kahlen Bäume auch mal einen Blick auf Truppbach erhaschen

Angenehmer Anstieg auf den Bubrerg

Sicht auf Truppbach

Immer höher geht es den Berg rauf, und bald dominieren wieder die Geräusche der Natur. Die Sonne scheint mir auf den Pelz, es weht ein laues Lüftchen, und ich könnte gerade singen, so wohl fühle ich mich.

Im Sommer wird man diese Aussicht nicht haben

Hier macht wandern richtig Spaß

Bald wechselt der Wald, und es geht durch historischen, teilweise noch bewirtschafteten Siegerländer Hauberg. Hier begegnen mir auch die ersten Wanderer seit den Nordic-Walkern. Ein Paar hat die Stöcke beiseite gelegt und schaut aufs Smartphone, um sich zu orientieren. Ein kurzer Gruß, und ich bin wieder allein.

Echt Siegerländer Hauberg

So langsam signalisiert mir mein Magen, dass er Hunger hat. Na, wir sind bestimmt bald oben und werden eine Bank finden.

Aber noch geht es sanft bergauf. Es wechselt wieder zu hohem Nadelwald. An einem Abzweig weist eine Hinweistafel darauf hin, dass man ab jetzt ein Stück Jakobsweg geht, auf der alten Route von Marburg nach Köln. Ein wundervoller Weg.

Ab hier geht es auf dem Jakobsweg weiter

So kann man das Wandern genießen

Ein gelber laminierter Zettel an einem Baum weist den Wanderer auf einen historischen Grenzstein hin. Den würde man sonst wirklich übersehen.

Ein sehr alter Grenzstein direkt am Weg

Bald darauf geht es wieder durch ein Stück Hauberg. Eine weitere Hinweistafel taucht am Wegesrand auf und informiert den Wanderer, dass er in 300 m die höchste Stelle des Weges erreicht, den starken Buberg auf 431 m Höhe. Es gibt Fernsichten auf die Truppbacher Heide und die Siegtalbrücke, höchste Brücke der A 45.
Ich freu mich wie Bolle. Aussicht, Bank, Pause, Hunger....

An einem Wasserhäuschen knickt der Weg nach links ab, und ich kann schon die Freifläche unter einer Hochspannungsleitung entdecken. Naja, so ganz frei ist sie nicht, Ginsterbüsche sind schon gut hoch gewachsen. Aber ein Weg unterhalb der Strommasten sorgt dennoch für die versprochene Aussicht.


Blick vom starken Buberg (431 m)...

...auf die Siegtalbrücke in der Bildmitte

Das ist wirklich schön. Aber eine Bank suche ich vergeblich, die gibt es hier oben nicht. Schade, würde Sinn machen. Für ein Picknick auf der Wiese ist mir der Boden noch zu kalt.
Also weiter....

Es geht nun wieder leicht bergab. Ein neues Geräusch gesellt sich zum Vogelzwitschern. Die Autobahn ist ganz in der Nähe, ordentlich Verkehr auf der A 45. Das gibt aber Punktabzug in der B-Note.

Aber ich bekomme endlich meine Bank mit Aussicht Richtung Freudenberg. Große Freude auch bei mir. An einer Wegekreuzung steht sie und wird gleich in Beschlag genommen. Das tut gut. Da stört sogar das Brummen auf der A 45 nicht so arg.

Rastplatz mit Aussicht

Picknick auf der lang herbeigesehnten Bank

Witzig ist es schon. Die ganze Zeit begegnet mir keine Menschenseele. Jetzt, wo ich hier sitze, ziehen sie in Scharen vorbei. Spaziergänger von rechts, Mountainbiker von links, Jogger von rechts, Wanderer von links. Ich komme aus dem Grüßen gar nicht raus.

Nach einer guten halben Stunde packe ich mein Zeug auch wieder ein. Die Bank steht im Schatten, und es weht ein gutes Lüftchen. Sogar meine Finger sind schon ziemlich kalt.

Auf dem Höhenweg geht es weiter, ein sehr schöner Weg.

Wander- und Pilgerweg in einem
 
Ein schöner Höhenweg



Bevor der Lärm von der Autobahn zu laut wird, knickt der Weg scharf nach links ab und geht etwas steiler bergab. Es wird wieder etwas ruhiger. Man kreuzt den Europäischen Fernwanderweg E 1 und erreicht bald darauf die Quelle des Achenbaches. Ohne das auffällige Hinweisschild würde man sie glatt übersehen.

Klein aber fein, die Achenbach-Quelle
 
Über der Quelle

Am Wegesrand liegen einige vermooste Baumstämme. Sie sind mit Pilzen bewachsen und schön anzusehen. Ich versuche mich auch mal als Naturfotografin.

Stillleben in Pilz

Noch ein großer Bogen, und der Weg verlässt den Wald. Über Wiesen geht es weiter, den Siegener Fernsehturm im Blick. Hier wird der Wanderer auch wieder mit Bänken verwöhnt.

Aus dem Wald geht es über frisches Grün

Gegenüber einer Bank hängt ein kleines Kästchen an einem Baum. Ich muss mich schon ganz schön lang machen, um den Text zu lesen. Ein friedlicher Platz zum Innehalten.

Am Ende der Wiese befindet sich ein schöner Rastplatz

.....

Der Weg führt nun wieder am Wald entlang Richtung Großenbachtal. Auch dort gibt es einen wunderschönen Platz zum Rasten. Man passiert die Großenbachquelle, die nun wirklich nicht zu übersehen ist...


Rastplatz mit Blick ins Tal

Großenbach-Quelle
 
Das Großenbachtal


In einem großen Bogen umwandert man dieses Schöne Tal und erreicht bald darauf die ersten Häuser von Achenbach.
Hier mogele ich unbewusst. Ich hätte links in den Wald abbiegen müssen. Das ist mir erst daheim aufgefallen, als ich meine aufgezeichnete Strecke mit dem Original verglichen habe.

Ortseingang von Achenbach, die offizielle Wegführung geht links durch den Wald...

Aber das macht nichts. Es macht Freude, durch Achenbach zu laufen. Stadtnah und trotzdem dörflich und ruhig und soviel Natur umzu. Hier könnte ich auch leben.

Weg durch das schöne Dorf

Das ich trotzdem richtig bin, bemerke ich, als die alte Schule in Sicht kommt. Hier gibt es auch wieder Wanderzeichen.
Der Weg führt ein kleines Stück an der Hauptstraße entlang, die man an der Ampel überqueren muss. Danach geht es auf einem Fußweg durch das Tal, fern der Hauptstraße. Man meint wirklich nicht, dass man noch im Ort ist.

Die alte Schule an der Haupstraße

Fußweg zwischen Hauptstraße (links) und Wohnhäusern (rechts)

Schließlich holt einen die Moderne wieder ein, als am Hang das Architekten-Haus "Sky-Cube" auftaucht. Das passt so gar nicht ins Ortsbild...

Sehr modern, der Sky-Cube

Unter dem Haus führt der Weg wunderschön weiter bis zum Ortsteil Achenbach-Furt. Eine Furt ist eine seichte Stelle in einem Bach, an der Fuhrwerke durchfahren können. So etwas hat es früher hier gegeben, daher wohl der Name.
Auf der anderen Straßenseite steht die Sieges-Eiche, die 1871 gepflanzt wurde.

Bachlauf unterhalb des Sky-Cube

Der Weg erlaubt Einblicke in die Gärten der Anwohner

Die prächtige Sieges-Eiche

Die Straße führt den Berg hinauf auf die Hauptstraße und bietet noch Blicke über Achenbach.

Autobahnzubringer zur A 45

Blick zurück
Wieder an der Hauptstraße, ist es nicht mehr weit bis zum Parkplatz. Nach gut 4,5 Stunden bin ich zurück beim Auto.

Die letzten Meter zum Parkplatz


Blick vom Parkplatz über den Kreisel Richtung Siegen




Fazit: Ein herrlicher Wanderweg durch abwechslungsreiche Natur mit einigen wunderbaren Ausblicken. Die Hinweistafeln sind sehr interessant und kurzweilig zu lesen. Sehr empfehlenswert.

Hier gibt es alle Hinweise zum Weg:

http://www.siegen-achenbach.de/der-heimatverein/projekte/historischer-wanderweg/





Mittwoch, 3. Dezember 2014

Vom Giller zum Kulturbahnhof Kreuztal

Wanderung vom 02.11.2014


Am 26.10.2014 wurde der 100ste Zuweg zum Rothaarsteig feierlich eröffnet. Nun kann man auch von Kreuztal aus zum beliebten Fernwanderweg laufen. Ich habe bereits im März eine Tourenbeschreibung eines Bloggers gelesen, den Weg aber bald wieder vergessen. Ich laufe ja lieber Rundwanderwege.
Eine E-Mail eines lieben Bekannten mit einem Link zur Eröffnung und der Frage "Wäre das nichts für Dich?" brachte den Weg wieder in Erinnerung.
Hier besteht ja die Möglichkeit, eine Strecke zu wandern und mit der Bahn zurück zu fahren.
Der Wetterbericht meldet bedeckt mit einigen sonnigen Abschnitten und bis zu 17°C (und das Anfang November). Schnell noch den Fahrplan der Rothaarbahn gecheckt und der Plan steht.

So stehe ich also morgens um 9 Uhr am Bahnhof in Kreuztal. Das Heximobil parkt nebenan auf dem kostenlosen park&ride-Platz.

Es hat gerade mal 6°C, der Himmel weist alle möglichen Grautöne auf und ich friere.
Die Bahn kommt mit 2 Minuten Verspätung, ich ziehe mein Ticket und suche mir einen Fensterplatz.

Es ist auch mal schön, bekannte Wege nicht selber zu fahren und stattdessen die Gegend zu betrachten. Als die Durchsage "Nächster Halt Hilchenbach" kommt, muss ich innerlich grinsen, da komme ich ja gerade her.

Nun beginnt der schönste Teil der Strecke von Hilchenbach nach Lützel. Der Zug muss einige Höhenmeter überwinden und schlängelt sich kurvenreich durch den Wald bergauf. Ich mag das.

Am Bahnhof Vormwald Zollposten spuckt mich der Zug aus und ich schaue erst einmal zum Himmel. Einige Wolkenlücken sind zu sehen, und es ist auch nicht mehr so kalt. Geht doch.

Am Wanderparkplatz zuppel ich meinen Rucksack kurz zurecht, und dann kann´s auch schon losgehen.

Start am Wanderparkplatz Zollposten mit Blick zur Ginsburg

Es geht in leichter Steigung bergauf, und mir wird angenehm warm. Nach gut 500 m begegnen mir die ersten Wanderer, eine ca 20köpfige Truppe.
Der Weg führt durch Buchenwald, der trotz des trüben Himmels in schönen Farben leuchtet.

Bunter Herbstwald

Ich passiere die Köhlerhütte kurz vor der Ginsberger Heide, und dann bin ich auch schon am Startpunkt des neuen Zuweges.

In der kleinen Köhlerhütte kann gegrillt werden

An der Wandertafel auf dem Giller beginnt/endet der neue RHS-Zuweg (Zeichen: schwarzes. liegendes R auf gelbem Grund

Da der Weg nach Kreuztal keine nennenswerten Steigungen beinhaltet, die mich irgendwie immer aufhalten....*grins*, beschließe ich einen kleinen Abstecher zum Gillerturm. Da war ich über 25 Jahre nicht mehr oben.

Es geht ein kleines Stück an der Straße entlang. Hier oben ist heute wirklich tote Hose. Gestern, am sonnigen Feiertag, war es sicher rappelvoll.

Ginsberger Heide

Der Weg führt wieder in den Wald. Auf einem schmalen Trampelpfad geht es ziemlich buckelig bergauf. Da muss man aufpassen, dass man auf den glitschigen Steinen nicht ausrutscht.

Am Turm angekommen, mache ich mich gleich an den Aufstieg. Mit dem Rucksack auf dem Buckel und die Stöcke an mich gedrückt, ist das auf der schmalen Wendeltreppe ganz schön eng. Oben angekommen, muss ich doch erst einmal tief durchatmen.

Der 1892 erbaute und inzwischen einige Male sanierte Turm auf dem Giller, 15 m hoch

Inzwischen ist auch ein Papa mit seinem ca 5 Jahre alten Söhnchen hier oben angekommen. Gemeinsam genießen wir die, für das Wetter, recht gute Aussicht.

Blick über die Ginsberger Heide Richtung Hilchenbach

Blick Richtung Eisenstraße und Lützel Siedlung

So, genug ausgesichtet, ab nach unten und auf den Weg gemacht.

Der Zubringer verläuft die ersten Kilometer auf dem Jung-Stilling-Rundweg. Ich freue mich, dass ich noch einmal den alten Hohlweg begehen darf.


Geliebter Hohlweg

Kurz vor der Kronprinzeneiche

Es ist schon interessant, wie anders ein bekannter Weg wirkt, geht man ihn in Gegenrichtung und in einer anderen Jahreszeit.

Der im Frühling als nicht so schön empfundene, breite Wirtschaftsweg sieht mit dem Laubstreifen in der Mitte und dem grün bewachsenen Rand gleich viel netter aus.

Welch ein Unterschied zum Frühjahr

Am oberen Weidekampen von Grund zweigt der J-S-Rundweg nach links ab, während ich auf der Höhe bleibe. Hier oben ist es einfach herrlich. Die Heimatfreunde Grund haben hier eine Bank aufgestellt, da muss ich mich einfach mal setzen und die Aussicht genießen.

Ein wundervoller Platz zum Verweilen

Der Weg verläuft in einem großen Bogen am Weidekampen entlang und begeistert mich total. Auch wenn es stellenweise ein wenig nach nassem, faulen Holz müffelt. Aber diese Aussicht, klasse. Im Sommer muss es noch schöner sein. Ich komme aus dem Fotografieren gar nicht raus...

Links blitzen einige Häuser aus Allenbach durch

Schöner alter Baum

Siegerländer Hauberg

Noch ein Hübscher

Am Ende des Weidekampens verläuft mein Weg ein Stück auf dem Kulturhistorischen Lernpfad oberhalb von Ruckersfeld. Das ist ein ca 7 km langer Rundweg mit vielen Schautafeln, auf denen man über das Leben im Siegerland früher informiert wird. Es geht mitten durch echt Siegerländer Hauberg.

Solche Pfade liebe ich

Es folgt ein kurzer Abschnitt über Asphalt, dann geht es durch Fichtenwald bis zum Wanderparkplatz auf der Allenbacher Höhe.

Weg oberhalb von Ruckersfeld

Allenbacher Höhe

Bei Überqueren der Straße muss man hier sehr aufpassen, es ist Tempo 80. Also nicht nur schauen, sondern auch lauschen. Hört man ein Auto, besser warten. Die brettern hier gern mal über die Höhe...auch schneller als 80...

Stimmt !!!

Auf den Weg, der nun vor mir liegt, bin ich sehr gespannt. Bisher war er mir bekannt, jetzt beginnt für mich sogenanntes Neuland.

Zuerst geht es noch ein kleines Stück auf Asphalt, dann zweigt ein Wirtschaftsweg ab. Bisschen matschig und zerfahren. Naja, es ist November, und es hat die Tage noch geregnet. Aber auf der Höhe zu wandern ist einfach nur schön, weil es immer wieder Aussichten gibt. Ich erkenne die Ginsburg als kleines Pünktchen (auf dem Foto kaum zu sehen). Da bin ich ja schon eine gute Strecke gelaufen.

Blick zurück Richtung Giller

Nun beginnt ein leichter Anstieg zur Lichtenhardt. Es geht über eine ehemalige Kyrillfläche. Mittlerweile wächst hier jede Menge Ginster und junge Birken, so wirkt es nicht mehr so trostlos und kahl.

Blick auf Dahlbruch

Hier oben kommt mir ein älteres Paar entgegen. Die beiden erwidern meinen Gruß, und der Opa wünscht mir strahlend  "auch weiterhin einen schönen Marsch". Recht vielen Dank dafür.

Bald darauf geht es wieder durch hohe Fichten. Der "Gipfel" der Lichtenhardt ist kurz darauf erreicht. Dem Namen zur Ehre lässt sich das Licht in Form der Sonne blicken. Übrigens die einzigen Sonnenstrahlen auf dem gesamten Weg.
Aber im richtigen Moment.

Licht auf der Lichtenhardt


Das schönste Bild der Tour

Mit dem Abstieg verschwindet auch die Sonne wieder. Es geht erst leicht, dann etwas steiler den Berg runter. An einer Wegegabel bin ich kurz unsicher, entdecke aber das Wanderzeichen an einem Baum. Hier kommt mir ein Pärchen entgegen. Die beiden joggen den Berg rauf und haben sogar noch Luft für ein fröhliches "Hallo" - beneidenswert.

Nach einer Weile treffe ich wieder auf mehr Spaziergänger, und auch Verkehrsgeräusche sind zu hören. Schließlich erreiche ich die Kredenbacher Höhe und muss wieder eine Straße überqueren. Schauen, lauschen und schnell rüber.
Der kleine Wanderparkplatz ist gut besucht. Ab hier habe ich auch wieder ein "Verfolgerfeld" in Form von zwei sich angeregt unterhaltenden Spaziergängerinnen. Der Weg verläuft nun recht eben, und ich lege ein gutes Marschtempo vor. Abhängen lassen sich die beiden Frauen nicht - flottes Spazieren eben.

Nach gut 1,5 km komme ich an die Wolfsbornquelle. Es heißt, dass hier um 1850 der letzte Wolf gesichtet wurde, daher der Name.

Hier spricht mich ein älteres Paar an und fragt, ob ich denn vom Giller komme, was ich bejahe. Die beiden haben den Weg auch auf ihrem Plan und erkundigen sich interessiert nach der Markierung und wie es so ist. Ich bin voll des Lobes, schon allein die herrlichen Aussichten. Und Rothaarsteig sowie Zubringer sind ja immer verlaufsicher gekennzeichnet. Die beiden sind aus Buschhütten hochgekommen und bemerken, dass ich es ja nun bald geschafft habe.

Naja, ein Stück ist es ja noch. Nun wird erst einmal Rast gemacht. Hier oben gibt es zwei Tische mit Bänken, ich ziehe aber die einzelne Bank direkt an der Quelle vor.

Wolfsbornquelle

Das Bächlein fließt durch einen 60 Jahre alten Buchenwald

Mein Rastplatz an der Quelle

Und weiter geht es. Ein schöner Trampelpfad führt am Rande eines Fichtenwaldstücks entlang. Bei dem grauen Himmel wirkt es ziemlich düster.
In regelmäßigen Abständen stehen alte knorrige Eichen auf dem Weg, wie an einer Linie gewachsen. Das sieht schon ein wenig bizarr aus.
Früher war es üblich, an Gemarkungsgrenzen Eichen zu pflanzen. Der Weg führt auf der Grenze zwischen Kredenbach und Unglinghausen entlang.
Leider ist das Foto der bizarren Schönheiten ziemlich unscharf geworden. Fotografieren bei trübem Himmel muss ich noch üben...

Schöner Trampelpfad, hinten in der Bildmitte eine der alten Eichen

Nicht lange, und ich verlasse den düsteren Abschnitt. Nun geht es wieder über mit Büschen und kleinen Bäumen bewachsene Kyrillfläche.
An einer Wegekreuzung weist ein Schild nach rechts: Panoramabank - 350 m.
Hmmm, ich dachte, die liegt direkt am Weg. Den kleinen Abstecher nehme ich aber mit. Es geht erst leicht, dann etwas steiler den Berg rauf. An der höchsten Stelle wieder ein Schildchen, noch 50 m auf einem Trampelpfad.

Gleich gibt´s was zu gucken....

Auf halben Weg erkenne ich schon, dass die Bank bereits besetzt ist. War zu erwarten. Da ich mich nicht gerne zu fremden Leuten setze, bleibe ich oben- Panorama gibt es hier wirklich genug, auch ohne Sitzgelegenheit.
Es ist wirklich atemberaubend, wie weit man schauen kann. Kreuztal, Ferndorf, der Kindelsberg, die Martinshardt, Kredenbach und Dahlbruch. Wahnsinn, wie schön muss es hier erst an einem sonnigen Tag sein?

Blick über Ferndorf und Kreuztal

...und Kredenbach sowie Dahlbruch

Der kleine Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt, zufrieden mache ich mich wieder an den kleinen Abstieg zum Hauptweg. Zwei Reiterinnen kommen mir entgegen. Hier oben gibt es viele Reiterwege, weswegen man sich nicht über Pferdeäpfel wundern sollte, die hin und wieder mal den Weg zieren.

Es geht nun stetig leicht bergab. Auf der rechten Seite kommt das Ferndorfer Schützenhaus in Sicht. Links befinden sich die "Hohlwege im Fröhningerholz". Es handelt sich um Überreste einer Wegeverbindung vom „Aherhammer“, einem ehemaligen Eisenhammer aus dem 14. Jahrhundert, nach Bottenbach mit Anschluss an die alte Fernstraße von Arnsberg bzw. Olpe nach Siegen. Die Wege habe ich mir vor Jahren schon von der Talseite aus angesehen, sie sind echt beeindruckend. Von oben soll es noch besser sein, es gibt sogar eine Hinweistafel.

Aber die Ernüchterung folgt auf den Fuß. Direkt vor der Tafel scheint ein Wendeplatz für Waldfahrzeuge zu sein. Kein Hinkommen, ohne im Schlamm zu versinken. Das ist ärgerlich, aber nicht zu ändern.

Einer der alten Hohlwege ist leicht zu erkennen

Nun beginnt der Abstieg ins Tal. Über Wirtschaftswege geht hinunter bis an den Ferndorfbach. Hier kommen mir wieder einige Spaziergänger entgegen.


Waldweg entlang des Ferndorfbaches


Ortseingang Ferndorf

Es folgt ein kleines Stück durch Wohngebiet. Hinter einem Spielplatz führt der Weg als kleiner Trampelpfad am Wald entlang. Ab und zu hat man mal Blick über den Ort. Das gefällt mir, so nah an der Stadt und immer noch in der Natur.

Schöner Trampelpfad von Ferndorf nach Kreuztal
Blick über Ferndorf zur Martinshardt

Der Weg endet in der Kreuztaler Leystraße. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Ziel. Ein kurzer Abstieg, und schon ist die Hauptstraße erreicht und der Bahnhof in Sicht.

An der Kreuztaler Feuerwache vorbei geht es zur Hauptstraße

Noch einige Schritte, und ich habe nach gut sieben Stunden (inkl. Bahnfahrt) meinen Ausgangspunkt, den Kreuztaler Bahnhof, wieder erreicht.

Start und Ziel: Der Kulturbahnhof Kreuztal

Fazit: Eine wunderschöne Tour mit vielen herrlichen Aussichten und abwechslungsreicher Natur. Ein Abstecher zum Gillerturm auf der Ginsberger Heide und zur Panoramabank oberhalb von Kredenbach sind absolut zu empfehlen.
Das rothaarsteig-übliche Mobiliar wie Waldsofas und Versperinseln fehlt zwar, aber es gibt reichlich Bänke für die eine oder andere Rast.