Sonntag, 24. August 2014

Rothaarsteig-Circuli Hohenroth

Wanderung vom 26.07.2014


"Ruhe und Einsamkeit sind die besten Freunde der Seele"

Schöner Spruch auf meinem Küchenkalender, nicht wahr? Meiner Seele geht es zwar gut, aber nach arbeitsreichen und anstrengenden Wochen gelüstet es mir nach Ruhe und Einsamkeit. Petrus verspricht einen sonnigen, nicht zu heißen Tag, und ein Rundweg auf meiner Wunschliste ist auch schnell gefunden.

Es soll auf den Rothaarsteig-Curculi Hohenroth gehen, einem Rundweg, beginnend am Forsthaus Hohenroth, nahe der Ederquelle. Ich wähle aber einen anderen Startplatz auf einem Wanderparkplatz unmittelbar hinter der Siedlung Lützel an der Eisenstraße.

Die Eisenstraße war schon im Mittelalter ein bedeutender Handelsweg, es heißt, sogar die Kelten haben ihn bereits benutzt. Heute ist die Eisenstraße zwischen Lützel und dem Abzweig nach Hainchen größtenteils von der L 722 überbaut.

Um halb 10 bin ich endlich startklar und fahre die 10 km bis zum Wanderparkplatz "Drei Fichten". Das Thermometer zeigt 17,5°C an, aber in der Sonne fühlt es sich wärmer an.

Wenn man hier aus dem Auto steigt, hört man nichts außer Natur. Außer, wenn mal ein Auto vorbei fährt. Die Eisenstraße ist eine sehr ruhige Landstraße.

Wanderparkplatz "Drei Fichten" an der Eisenstraße

Rucksack aufgepackt, GPS-Tracker gestartet, Stöcke geschnappt und auf geht´s. Erstmal über die Straße. Da muss man schon aufpassen. Obwohl auf der gesamten Eisenstraße Tempo 40 angegeben ist, nutzen manche Autofahrer die teils schnurgerade Strecke, um auf´s Gaspedal zu treten. Dabei ist es im Sommer so herrlich, diese Straße durch die Natur gemütlich zu fahren und zu genießen.

Auf der anderen Straßenseite beginnt mein Weg auf leichtem Schotter. Nach wenigen Metern biege ich links ab und steige sanft an. Rechts und links summt und brummt es auf den Distelblüten und Glockenblumen. Ich versuche eine Nahaufnahme eines Schmetterlings, aber der Falter will sich nicht fotografieren lassen und haut immer ab. Dann eben die Hummeln. Ich mag die dicken, pelzigen Brummer, und nach ein paar Versuchen klappt es auch mit einem Foto.

Begehrte Distelblüte

Nun aber weiter. Bald schon kann ich die erste Aussicht genießen. Es ist heute aber ein wenig diesig. Eine Weitsicht bleibt mir verwehrt.

Sanfter Anstieg oberhalb der Siedlung Lützel

Rechts Lützel Siedlung, im Hintergrund Lützel Dorf und der Gillerberg

Schließlich geht es wieder talwärts und ich überquere noch einmal die Eisenstraße, diesmal vor der Siedlung, an der ich vorbei gehe. Die Bewohner des Buchenweges auf der rechten Seite beneide ich ein wenig. Wie herrlich muss es sich hier wohnen lassen. Hinterm Haus der Garten, dann ein Weg und dann nur noch Wald. Welch eine Ruhe in schönster Natur.

Circuli-Wanderer bitte rechts abbiegen...


Hier laufe ich auch prompt in die falsche Richtung. Obwohl der Rothaarsteig und seine Circuli bestens markiert sind. Aber "in echt" sehen Wege oft anders aus als auf der Karte, und die steckt in meinem Rucksack, und ich bin zu faul ihn abzusetzen. Doch nicht schon so kurz nach dem Start...

Erst als der Weg steil bergab geht, bemerke ich meinen Fehler. Also zurück marsch, marsch.

Wieder auf dem richtigen Weg, beginnt wenige 100 m hinter der Siedlung das Paradies. Himbeeren ohne Ende, so viele auf einmal habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Rechts vom Weg leuchtet es richtig rot, reife pralle Früchte. Ich schalte sofort in den Trödelmodus und futter mich den Weg entlang, lecker.

Himbeeren satt auf dem Circuli

Wer kann da widerstehen?

Das würde sich ja richtig lohnen, noch einmal wieder zu kommen mit einer großen Tupperdose. Himbeertorte mit selbstgepflückten Himbeeren, mmmmh...

Der Weg geht leicht nach rechts, und ich werde ein wenig kribbelig. Gleich passiere ich ein persönliches Highlight.

Hohlwege, was auch sonst? Sollte mich jemand fragen, was ich an den mittelalterlichen Wegen so toll finde, ich wüsste keine richtige Antwort. Sie faszinieren mich einfach. Vielleicht weil sie nicht geplant waren, sondern durch regelmäßige Nutzung entstanden sind? Weil sie so alt und immer noch sichtbar sind?
Von diesem Hohlwegbündel habe ich schon vor Jahren gelesen, nur nie herausgefunden, wo es genau liegt. "Unterhalb der Siedlung Lützel" kann ja überall sein. Google Earth lieferte aus der Luft nur Wald, und TIM online kannte ich damals noch nicht.
Vor ein paar Monaten bin ich dann durch Zufall darauf gestoßen. GE hatte aktualisiert, die Luftaufnahmen stammen aus Herbst oder Frühling, auf einmal waren die Hohlwege gut zu erkennen. Und zufällig führt ein offizieller Wanderweg dort vorbei.

Aufmerksam blicke ich rechts und links in den Wald und sehe bald den ersten Hohlweg zu meiner rechten. Allerdings ist er ziemlich mit Laub und Zweigen verfüllt, aber dennoch gut sichtbar.
Zu meiner linken ist es besser. Zwei parallele Fahrspuren führen den Berg runter. Ich bin begeistert, wenn auch Forstarbeiter hier ziemlich gewütet haben.

Vor lauter Ästen kaum zu erkennen, Hohlweg Richtung Lützel

Zwei tiefe Fahrspuren führen den Berg runter

Wie viele Ochsen- und Pferdekarren sind hier früher gefahren?

Es würde mich ja reizen, auf den Spuren der Fuhrleute ins Tal zu wandern. Aber ganz allein? Und wenn Wildschweine kommen? Nee, lieber nicht.
Man sollte Wanderwege nicht verlassen, da die Tiere den Menschen auf Wegen besser einschätzen können, habe ich gelesen.
Also führe ich meine Tour brav auf neuzeitlichem Weg weiter.

In leichtem Auf und Ab führt der Weg am Hang entlang. Nach einer kleinen Felspassage habe ich Sicht Richtung Gillerberg und erkenne sogar den alten Steinbruch kurz oberhalb der B 62. Wie dicht doch alles beieinander liegt, was auf der Karte weiter weg erscheint.
Künftig werde ich auf meinem Arbeitsweg von dort oben versuchen, einen Blick auf die Stelle zu erhaschen, an der ich jetzt stehe.

Kleine Felspassage auf dem Circuli

Blick zur B 62 unterhalb des alten Steinbruchs

Nach einigen hundert Meter zeigt das Wanderzeichen nach links auf einen kaum zu erkennenden Weg. Da soll ich runter?  Der Abzweig ist übersäht mit grobem Geröll und Zweigen, dahinter ist alles grün. Okay, dann mal los.
Es handelt sich um einen alten Forstweg, der schon seit Jahren nicht mehr benutzt wird und den sich die Natur so langsam zurück erobert. Ich laufe auf weichem Laub und muss einmal sogar über den Stamm eines umgestürzten Baum klettern. Links geht es steil empor, und rechts ist ein herrlich wildes Tal zu sehen.
Bald wird der Weg flacher und geht in einen wunderschönen Wiesenweg über. Allerdings ein sehr feuchter Weg, unter meinen Schuhen "schmatzt" es ein wenig. Ich denke, ohne das Gras würde man hier schnell nasse Füße bekommen.

Ein abenteuerlicher Abstieg beginnt.

Auf weichem Boden geht es ins Tal


Feuchter, aber herrlicher Wiesenweg im engen Kerbtal

Nach kurzer Zeit mündet mein Weg auf einen Wirtschaftsweg, der von der anderen Bergseite kommt. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Afholderbacher Weiher, den ich zwischen den Bäumen schon erkennen kann.

Schön ist es hier, auch wenn es jetzt erst einmal auf Asphalt weitergeht. Der Weiher ist zwar umzäunt, aber es gibt Bänke am Wegesrand.
Na gut, kurze Pause.

Afholderbacher Weiher



Kurze Rast mit Blick Richtung Gillerberg
 
 
Langsam nähere ich mich der Straße von Afholderbach nach Sohlbach und kann schon den Wanderparkplatz erkennen. Hier zweigt mein Weg scharf nach links ab. Fast übersehe ich das leicht ausgeblichene Wanderzeichen des Circuli, das steil den Berg hochführt. Aber nur ein kurzes Stück, dann befinde ich mich auf einem weichen Wiesenweg Richtung Sohlbach.
 
Kurz vorm Ortseingang komme ich aus dem Wald.
Sohlbach ist ein wunderschönes kleines Dorf. Eine gelungene Mischung aus Bauernhöfen und modernen Häusern. Wer hier wohnt, lebt in einem herrlich ruhigen Paradies. Die beiden Wanderer, die mir entgegenkommen, scheinen ebenso angetan von diesem Örtchen. Durch Sohlbach kann man nicht durchfahren, die Straße endet hier. Sozusagen ein Sackgassen-Dorf.
Auf der schmalen Straße marschiere ich durch den Ort. An einer Wiese, auf der zwei Esel grasen, kann ich der Bank unter einem Baum nicht widerstehen und mache ein kurzes Päuschen.
 
 
Der Wiesenweg führt fast in den Ort
 
 
Ortsmitte Sohlbach
 
 
Schönes Plätzchen mit tierischer Gesellschaft
 
 
Der Aufstieg naht...
 
 
Am Wanderparkplatz zum Sohlbacher Weiher informiere ich mich auf einer Infotafel kurz über den weiteren Wegverlauf. Jede Menge Autos parken hier, ist ja auch ein schönes Ziel für einen Sonntagsausflug.
Auf der rechten Seite liegt ein Angelweiher, der heute gut besucht ist. Hauptsächlich Herren sitzen hier allein oder zu zweit auf den Bänken rund um den Teich, genießen die Ruhe und hoffen auf einen guten Fang.
Der Weg steigt nun stetig an, ist aber angenehm zu gehen. Aber das Tal wird langsam enger.
Schließlich erreiche ich den Sohlbacher Weiher. Ein idyllisches Plätzchen, wie gemacht für eine größere Rast. Allerdings gibt es hier keine Sitzmöglichkeit. Ganz im Gegenteil, ein Schild weist darauf hin, dass der Teichbereich nicht betreten werden darf. Noch nicht einmal am Wegesrand gibt es Bänke. Schade, da muss ich meinen leicht knurrenden Magen auf später vertrösten und wandere weiter.
 
Der Sohlbacher Weiher...
 
...wäre ein schöner Pausenplatz gewesen
 
 
Jetzt geht es wirklich den Berg rauf. Der Weg ist ziemlich buckelig, aber das Tal der Hohen Netphe wunderschön. Links steil, rechts der Bach, dahinter steil. Eine richtige Schlucht.
Ein Blick zurück zeigt an, wie weit es noch bis "oben" ist. Einmal mehr bin ich dankbar für meine Stöcke, so lässt es sich gut den Berg hochschieben.
 
 
Durch das Kerbtal der Hohen Netphe geht es wieder auf den Rothaarkamm
 
Ich würde mich ja gern mal hinsetzen, aber mit Bänken sieht es hier mau aus. Auch kein Baumstamm in Sicht. Bin ich nicht bald oben?
Wie sagte Hape in seinem Buch "Ich bin dann mal weg" so schön? Auch wenn man den Gipfel nicht sehen kann, ist er doch da.
Auf beiden Seiten der Schlucht kann ich Wege entdecken, die bald mit meinem zusammentreffen. Aha, eine Wegekreuzung, da steht doch meistens auch eine Bank.
 
Nicht so hier, keine Sitzgelegenheit. Aber es geht nur noch sanft bergan. Dann endlich: Halleluja, ich bin wieder oben.
 
Gleich bin ich oben, Freude....
 
Ein kurzer Blick weit ins Wittgensteiner Bergland, dann senkt sich der Weg wieder leicht ab und mündet auf eine schmale Asphaltstraße. Der erste Wegweiser zum Forsthaus Hohenroth.
Hier verläuft auch der Bodenlehrpfad des Forsthauses. Kurze Zeit später stehe ich vor einer Station des Pfades.
Es handelt sich um den alten Steinbruch "Krämers Wiese". Ein Schild erklärt, dass man hier bis zu 400 Millionen alte Gesteine sehen kann. Beeindruckend, aber eine Bank gibt es hier auch nicht.
Also weiter. Auf Asphalt zu laufen ist zwar nicht so toll, tut aber irgendwie auch mal gut.
 
Der alte Steinbruch "Krämers Wiese" unterhalb der Eisenstraße
 
Auf Asphalt zum Forsthaus
 
Die ersten Sonntagsspaziergänger kommen mir entgegen. Beim Forsthaus wird eine Menge los sein.
Schließlich erreiche ich die Wiese am Wildgehege. Und .... es gibt Bänke. Hach, sitzen, herrlich. Die erste Bank seit Sohlbach.*seufz*
 
Sitzgelegenheiten am Wildgehege
 
Lange halte ich mich aber nicht auf. Für meine Rast ist es mir hier ein wenig zu gesellig, viele Spaziergänger.
 
Im Biergarten des Café Waldland ist eine Menge los. Na, bei dem Wetterchen. Ich laufe zügig weiter. Übrigens wieder auf historischem Boden. Das Forsthaus Hohenroth liegt an der alten Kohlenstraße.
 
Auf dem Weg zur Kreuzung mit der Eisenstraße stehen an Wegesrand auf beiden Seiten Ginkobäume und Holzskulpturen, die Forstwirt Tasso Wolzenburg mit seiner Motorsäge geschaffen hat. Wir haben vor einigen Jahren mal einen TV-Bericht über ihn gesehen.
 
Café Waldland, ein beliebtes Ausflugsziel
 
Eine der vielen Skulpturen von Tasso
 
Auf der schnurgeraden Kohlenstraße geht es weiter zur Ederquelle. Viele Leute unterwegs, die meisten kommen mir entgegen. Ich ziehe mein Tempo etwas an, schnell weg von dem Trubel.
Am Abzweig zur Ederquelle habe ich nur noch eine 4köpfige Familie vor mir, die aber dem Bodenlehrpfad folgt.
Der Rastplatz an der Ederquelle ist schnell erreicht. Ein Tisch mit Bänken, Hinweistafel und der alte Quellenstein. Die Ederquelle wurde nämlich 1990/91 renaturiert und darf wieder frei fließen.
 
Mich zieht es weiter, ich weiß jetzt, wo ich meine längere Pause mache.
 
Der Rothaarsteig führt ab jetzt als kleiner Pfad durch den Wald, so macht wandern Spaß.
 
Rastplatz Ederquelle
 
Wenn ich groß bin, werde ich ein riesiger See in Hessen...
 
Schöner Abschnitt des Rothaarsteig
 
Bald führt der Pfad wieder auf einen Wirtschaftsweg, und ich erreiche meinen Rastplatz: Der Mittelpunkt des Kreises Siegen-Wittgenstein.
 
Eine Bank, ein großer Grauwackestein mit Tafel, ein Bäumchen und ein herrlicher Blick ins junge Edertal. Wanderglück pur. Ich packe mein Picknick aus und genieße die Ruhe in der schönen Natur. Kein Mensch weit und breit, herrlich.
 
Mein schöner Rastplatz...
 
...genau in der Mitte...
 
...mit schönster Aussicht.
 
Ich schlüpfe aus den Wanderschuhen, lasse die besockten Füße baumeln, genieße mein kleines Picknick und bin mal wieder sehr dankbar, in einer so schönen Gegend wohnen zu dürfen.
 
Nach einer guten dreiviertel Stunde packe ich meine Sachen zusammen und mache mich wieder auf den Weg. Perfektes Timing, schon kommen die ersten Spaziergänger vorbei.
 
Nun geht es auf dem Rothaarsteig durch das Edertal. Der Weg ist gar nicht so schlimm, wir befürchtet. Kyrill sei Dank verkommen ja viele Wanderwege zu Schotterpisten. Hier geht es noch, und das Drumherum macht vieles wett.
 
Eine Hinweistafel informiert über den Teich als Lebensraum. Ein kleiner Trampelpfad mit Geländer führt auf eine Plattform aus Holz. Das schau ich mir mal an.
 
Das man hier über einem Teich steht, fällt erst auf den zweiten Blick auf. Muss das so, oder ist der kleine Tümpel bereits am verlanden? Wäre schade.
Auf jeden Fall ist hier eine Menge los. Wasserläufer und andere Insekten tümmeln sich über dem kleinen Gewässer.
 
Diese kleine Plattform...
 
...führt auf einen winzigen Teich mit vielen Bewohnern
 
Weiter geht es durch das schöne Edertal. Dafür, dass ich an einem sonnigen Sonntag auf dem Rothaarsteig unterwegs bin, ist hier erstaunlich wenig los. Gerade mal zwei Mountainbiker begegnen mir.
 
Bald darauf erreiche ich den Rastplatz "Drei Fichten". Hier werde ich den Rothaarsteig verlassen und über den Drei-Fichten-Weg zum Wanderparkplatz an der Eisenstraße zurückkehren.
 
Entgegen des Namens stehen hier sechs Fichten - und fünf Bänke. Ich glaub´s ja nicht. Von Sohlbach bis Hohenroth keine einzige Bank, und hier stehen sie im Überfluss. Das ist schon ungerecht verteilt, oder?
 
Edertal und Rothaarsteig (rechts)
 
Rastplatz Drei (sechs) Fichten
 
Die junge Eder
 
Durch Nadelwald und über eine Windbresche schlängelt sich der Weg durch die ruhige Natur. Grillen zirpen im hohen Gras, und eine Feldlerche zwitschert am Himmel. In einiger Entfernung brummt ein Motorrad über die Eisenstraße, nun ist es wohl nicht mehr weit.
 
Ein großer Traktor biegt auf den Weg ein und knattert an mir vorbei. Wo kommt der her und wo will er hin?
Wo er herkommt, sehe ich nach wenigen Metern. Die Eisenstraße, wer hätte das gedacht.
 
So ist das mit den kleinen, wenig befahrenen Landstraßen, Man überlegt, wie weit noch und schon steht man auf ihnen.
 
Wieder bei Auto angelangt, ziehe ich mein Smartphone aus dem Rucksack. Wie spät es wohl ist? Die Sonne steht nicht mehr so hoch, ich schätze mal, später Nachmittag.
Es ist kurz nach 17 Uhr. Wow, da war ich sieben Stunden unterwegs. Schön, gab ja auch einiges zu sehen.
 
Auf dem Drei-Fichten-Weg...
 
...geht es zurück zum Wanderparkplatz
 
Nach gut 7 Stunden wieder beim Auto
 
Nun aber ab nach Hause. Ich öffne beide Fenster und lasse mir den frischen Wind um die Ohren wehen, mein Abschied von der Natur für heute.
Kurz vor Hilchenbach fällt mir siedend heiß ein, dass ich meinen Datenlogger nicht ausgeschaltet habe. Na klasse, jetzt zeichnet er den Rückweg auch mit auf. Macht sich natürlich gut in der Gesamtauswertung.
Super, Hexchen, 26 km gewandert, davon die letzten 10 im Rekordtempo, Respekt...
 
Ich habe den kleinen Tracker noch nicht lange und muss mich erst noch an seine Anwesenheit gewöhnen. So hab ich heute wenigstens die Gelegenheit mich mit der Software vertraut zu machen. Hat auch bestens geklappt,  die Heimfahrt konnte ich löschen.
 
 
Fazit: Ein wunderschöner Rundweg mit viel Abwechslung. Der Weg führt viel über Schotter, Naturpfade sind selten. Aber dafür entschädigt die herrliche Landschaft.
 
 


Mittwoch, 11. Juni 2014

Rundweg zum Müsener Schlag

Wanderung vom 08.06.2014


Der Wetterdienst meldet das heißeste Pfingsten seit langem und ich freu mich wie Bolle. Für den heutigen Tag habe ich mir als Wanderziel den Müsener Schlag ausgesucht, einen sehr gut erhaltenen historischen Grenzübergang. Dieser steht schon lange auf meiner Wunschliste.
Mit Hilfe meiner Wanderkarte und dem Tourenplaner von outdooractive.com habe ich mir einen schönen Rundwanderweg erstellt. Ein sehr gutes Helferlein im Bezug auf historische Orte ist TIM-online. TIM steht für topographisches Informationsmanagement (siehe meine Linkliste). TIM macht so manchen mittelalterlichen Leckerbissen sichtbar. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, meine geplanten Wanderrouten über TIM virtuell "abzulaufen", um nichts zu verpassen, und habe schon viel interessantes entdeckt.

Um halb 10 bin ich dann auch endlich abmarschbereit. Das Auto bleibt stehen, heute kann ich von daheim starten. In unserer Straße ist noch alles ruhig. Über das Parkdeck unseres Einkaufszentrums komme ich schnell in die Schützenstraße. Und dann folgt sogleich der erste Anstieg. Ich folge bis zu meinem Zwischenziel, dem Müsener Schlag, dem Wegezeichen des Siegerlandweges, einem 111 km langen Wanderweg von Siegen nach Iserlohn. Er ist sehr gut gekennzeichnet. Kurz vor Ende des Aufstieges habe ich noch eine schöne Sicht nach Hause. Tschüss Nachbarn, ich bin dann mal weg....

Oben steht eine Bank unter einem Baum und läd zum Verweilen ein. Okay, ich bin noch nicht allzu weit gelaufen, aber eine kleine Verschnaufpause und einen ersten Schluck Wasser gönne ich mir.


Dort drüben wohne ich


Blick von der Bank auf Hilchenbach


Nun geht es in leichtem auf und ab einen wunderschönen Wiesenweg entlang. Rechts ist Wald und links kann ich weit ins Siegerland blicken, das ist wunderbar.
Zwischendurch folgen auch mal kleine Abschnitte durch Wald. Es ist ein herrlicher Weg.


Der schöne Wiesenweg oberhalb der Carl-Krämer-Realschule...

...lässt einen weiten Blick ins Siegerland zu

Zwischendurch folgen auch kurze Waldabschnitte

 
Blick auf die Hilchenbacher Siedlung Rüsenrain

Kurz darauf erreiche ich die Straße von Hilchenbach nach Brachthausen, die ich überquere, um gleich wieder im Wald zu verschwinden.
Der schöne weiche Weg steigt nun stetig an. Aber es ist angenehm schattig und gut auszuhalten. Schließlich treffe ich auf den ersten Mountainbiker, der auf dem Wirtschaftsweg unterwegs ist, den auch ich jetzt weitergehe. Der Weg ist dünn mit Tannennadeln übersäht und daher nicht zu hart. Nach kurzer Zeit zeigt ein Schild an einem Baum an, dass ich mich auf dem Breitenberg befinde.

Fast unsichtbar verschwindet der Weg nach Überqueren der Straße wieder im Wald

Auf dem Wirtschaftsweg geht es flott voran

Der Breitenberg ist erreicht...

...und lässt kurze Zeit später einen Blick ins Siegerland zu

Auf einmal höre ich Stimmen. Kommen mir die ersten Wanderer entgegen? Nein, es sind Kinder, acht an der Zahl. Wo kommen die denn her so ganz allein? Vielleicht vom Rastplatz Wigrow? Sollte dort ein Zeltlager sein?
Das Grüppchen bleibt stehen und fragt mich, ob ich eine Station gesehen habe, also Menschen. Nein, sage ich, mir ist keiner begegnet. Die Kinder bedanken sich und laufen nun vor mir her. Schließlich biegen sie an einem Abzweig rechts ab.
Sollte das schon der Weg zur Wigrow sein? Ich schaue zur Sicherheit auf meine Karte. Nein, ich muss weiter geradeaus. Und schon kommt die nächste 8-köpfige Gruppe heftig diskutierend anmarschiert und weiß nicht, wo es weitergeht. Ich beschließe zu helfen und sage ihnen, dass eben ein paar Kinder den Weg rechts genommen haben.
Ich laufe weiter und sehe auch bald, was mit einer "Station - also Menschen" gemeint ist. Auf einer Weggabelung sitzen auf Campingstühlen zwei junge Leute. Sicherlich Betreuer der Gruppen, die als Streckenposten fungieren. Es handelt sich wohl um einen Orientierungslauf.
Nicht lange, und ich erreiche die Wigrow. Das heißt, zuerst sehe ich einige Autos am Wegesrand parken. Durch die Büsche schimmern große Zelte. Aha, also doch ein Pfingstzeltlager auf der Wigrow.
Die Kinder und ihre Betreuer haben es wirklich schön hier, und dazu noch das Wetterchen.

Die Wigrow ist eine alte Lichtung mit historischem Hintergrund. Es gibt verschiedene Erklärungen. Wi bedeutet weit, und Grow heißt Grube, also eine weite Grube? Naja, etwas unterhalb heißt ein Flurstück Wickgrube. Wigrow = Wickgrube, könnte passen.
An anderer Stelle habe ich gelesen, dass es hier früher eine Gerichtsstätte war.
Es könnte aber auch eine Meilerstätte des kleinen Weilers Merklinghausen gewesen sein. Merklinghausen war seit dem 17.Jahrhundert eine Wüstung. Es ist scheinbar nichts mehr davon zu sehen, auch TIM konnte mir keine Auskunft geben.

Heute ist die Wigrow ein beliebtes Ausflugsziel. Es gibt viele Tische und Bänke, eine Schutzhütte, eine Grillhütte und sogar eine einfache Trockentoilette. Perfekt um einen schönen Tag in der Natur zu verbringen, oder wie heute, ein Zeltlager zu veranstalten.

Ich verzichte auf eine nähere Besichtigung und laufe quer durch das Zeltlager, da mein Weg über den Platz führt.

Pfingstzeltlager auf der Wigrow

Hinter der Wigrow stehen weitere Autos, es gibt wieder Stationen - also Menschen, und immer wieder kommen mir Kinder entgegen. Darunter auch das Grüppchen, das ich als erstes getroffen habe. Sie grüßen fröhlich.
An einem Abzweig befindet sich die letzte Station - also Menschen, dann kehrt wieder Ruhe ein. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Wanderparkplatz, in dessen Nähe sich der Müsener Schlag befindet.
Aufmerksam blicke ich in den Wald zu meiner rechten und entdecke auch bald den Dreifachwall der alten Landwehr, der auch in meiner Wanderkarte eingezeichnet ist.
Die alte Grenzbefestigung ist wirklich riesig, die Wälle messen sicherlich 1,50 Höhe. Ich bin begeistert und schaue mir das Ganze näher an.

Die Grenzwälle sind sehr hoch und gut erhalten

Die Fotografin hat vor lauter Begeisterung etwas verwackelt...

Drei hohe Wälle zum Schutz von Siegen-Nassau

Ich laufe ein kurzes Stück weiter und erreiche den Wanderparkplatz mit Schutzhütte und Bank. Hier werde ich meine Pause machen. Aber zuerst will ich mir die alte Zollstelle ansehen.
Neben der Schutzhütte führt der Weg unspektakulär über die Grenze. Der historische Platz liegt ein wenig abseits im Wald. Das finde ich richtig gut. Ich habe schon andere alte Zollstellen gesehen, die waren ziemlich enttäuschend. Zum Beispiel der Oberndorfer Schlag, da ist bald nix mehr übrig, da die Straße von Hilchenbach nach Heinsberg dort entlang führt. Durch den Straßenbau wurde viel zerstört.
Oder der Abzweig nach Brachthausen, an dem ich Ostern meine Tour gestartet bin. Ich habe erst durch TIM erfahren, dass es sich um den Albaumer Schlag handelt. Dort steht nur noch der alte Grenzstein, sonst ist nicht mehr viel zu sehen.

Hier, am Müsener Schlag, ist alles anders. Kein Wirtschaftsweg und keine Straße führt über den historischen Platz. Dafür muss man ihn auch ein wenig suchen *grins*.

Man geht also neben der Schutzhütte über die Grenze und dann den Weg nach links. Am zweiten Baum mit Wanderzeichen muss man links in den Wald hinein, über Stock und Stein. Nach ca 30 Metern steht man dann direkt am Grenzstein P.

Ich bin hellauf begeistert, wie gut hier alles erhalten ist. Der Grenzstein steht immerhin seit 1690 hier auf dem Wall. Und wie mächtig der alte Hohlweg ist. Ich komme aus dem Fotografieren gar nicht raus. Allerdings kommen auf den Bildern die Dimensionen der alten Zollstelle nicht so gut rüber. Aber es ist trotzdem toll.

Der Grenzstein P am Müsener Schlag...

...steht schon über 300 Jahre auf dem Grenzwall

Das Laub vieler Jahre hat den breiten Hohlweg aufgefüllt


Der mächtige Hohlweg Richtung Schlag


Ich mag mich gar nicht trennen, aber es wird Zeit für eine kleine Rast. Dazu wechsle ich wieder ins Siegerland und setze mich auf die Bank neben der Schutzhütte. Ich habe den Platz ganz für mich allein und genieße die Ruhe. Die Flasche Malzbier aus meinem Rucksack ist noch angenehm kühl. Habe ich schon erwähnt, dass Mettwürstchen an der frischen Luft besonders gut schmecken?



Pause auf Siegerländer Boden
 
Nach einer guten halben Stunde mache ich mich wieder auf den Weg. Jetzt geht es erst einmal im Sauerland weiter.
Auf einem Wirtschaftsweg marschiere ich Richtung NSG Dollenbruch. Hier begegnen mir einige Mountainbiker. Die scheinen heute in der Überzahl zu sein...
Neben meinem Weg verläuft ein nicht ganz so tiefer Hohlweg, wahrscheinlich die alte Handelsroute zwischen Brachthausen und Müsen.

Hohlweg Richtung Müsener Schlag

Nach einer Weile komme ich an eine Wegekreuzung. Auf dem Wegweiser steht, dass ich mich an der Schutzhütte Dollenbruch befinde. Hmmm, ich schaue rechts, links, oben, unten, keine Hütte weit und breit.
Vielleicht ist aber auch sinnbildlich die große Wurzel der riesigen Fichte damit gemeint. Da könnte man sich schon quer drunterlegen.

Dient diese Wurzel als Schutzhütte?

Nun steigt der Weg wieder stetig an und verleitet zum Trödeln. Die Aussicht ist aber auch herrlich bei diesem Wetterchen....

Saftiges Grün soweit das Auge reicht

Ist das nicht herrlich?


Ob Kühe auch schwitzen?

Im Hintergrund ist der Aussichtsturm auf dem Kindelsberg zu erkennen


Die ersten Wanderer und Spaziergänger kommen mir entgegen. Es ist also nicht mehr weit bis zum Wanderparkplatz an der Vorspanneiche.
Und schon bin ich da. Hier stehen jede Menge Bänke, also wird ein kleines Päuschen gemacht.
Die Vorspanneiche heißt Vorspanneiche weil hier im Mittelalter vor- und auch abgespannt wurde. Damals gab es ja weder richtige Straßen noch LKW. Die schwere Fracht (Roheisen, Rohstahl, Kohle,...) wurde meist auf 2-rädrigen Karren transportiert, die von einem Ochsen oder Pferd gezogen wurden. In den Hohlwegen konnte das schon mal sehr schwer werden. Die Fuhrleute konnten sich dann im Tal gegen Geld weitere Gespanne mieten. Ich habe gelesen, dass einmal acht Ochsen einen 10 bis 12 Zentner schweren Karren den Berg rauf gezogen haben. Obern wurde dann wieder ausgespannt.
Oder auch wieder vorgespannt. Die alten Karren besaßen ja noch keine Bremsen. Man blockierte einfach die Räder. Der Wagen wurde dann wie ein Schlitten ins Tal gezogen, und dazu brauchte man auch zusätzliche Tiere.
Hier, in der Nähe der alten Eiche, war also immer gut Betrieb.

Wanderparkplatz Vorspanneiche

Hinweistafel mit Wandertipps

Die Vorspanneiche an der Straße von Hilchenbach nach Brachthausen

Ich überquere die Straße und mache mich an den letzten Anstieg auf den Wimberg. Angenehm zu laufen, da der Wald Schatten bietet.

Schöner Aufstieg zum Wimberg

Kurz vor einer Wegekreuzung leuchtet mir etwas entgegen. Was ist denn das? Mitten auf der Kreuzung befindet sich ein nagelneuer Rastplatz unter einer Linde. Wunderschön gemacht. Der Platz nennt sich "Springemes Kieke". Klingt nach Sauerland.
Man sitzt hier richtig auf dem Präsentierteller. Ich finds klasse, auch wenn ich keine Pause mache.

Rastplatz "Springemes Kieke", nagelneu und wunderschön

Hier biege ich rechts ab, und nach knappen 100 Metern wieder scharf links. Nun befinde ich mich wieder auf dem Grenzweg. In TIMs topographischer Karte ist hier ein historischer Grenzstein eingezeichnet. Hmmm, ich sehe nichts. Vielleicht gut zugewachsen oder auch nicht mehr ganz heil. Nicht alle alten Grenzsteine sind so gut erhalten wie diese, die ich auf meiner Osterwanderung bewundern konnte.
Im Gegensatz zu Ostern ist es hier heute sehr ruhig. Nix los, keine Wanderer, keine Moutainbiker. Vielleicht zu warm....

Als ein Weg abzweigt, lese ich auf dem Wegweiser "Schartenberg Ost". Ich muss lachen, das klingt ja wie eine Autobahnabfahrt.

Bald darauf erreiche ich wieder das Holzkreuz, an dem ich Ostern schon vorbeigekommen bin. Nur heute komme ich aus der anderen Richtung. Übrigens ist das hier die Abfahrt Schartenberg West...

Ich setze mich kurz auf die Bank und mache mich bald wieder auf den Weg. Nun beginnt der Abstieg nach Hilchenbach.

Bank an der "Abfahrt Schartenberg-West"...

Zuerst auf einem alten, sehr bewachsenen Wirtschaftsweg. Hier ist schon lange kein Fahrzeug mehr gefahren, Fingerhut übernimmt die Herrschaft und wächst teilweise mitten auf dem Weg. Später wechsle ich auf einen guten Weg und es geht recht unspektakulär abwärts. Rechts Wald, links Wald.

Zuerst auf einem alten.....

...dann auf einem Schotterweg geht es ins Tal.

Schließlich hat der Abstieg ein Ende und ich überquere den Langenfelder Bach, der in Hilchenbach in den Ferndorfbach mündet (soviel Bach in einem Satz...)

Der Langenfelder Bach

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Hause. Schon bald kann ich durch die Bäume die kleine Kapelle des Hilchenbacher Friedhofs erkennen.
Auf kleinen Trampelpfaden geht es die letzten Meter, bis ich wieder daheim angekommen bin.


Die letzten Meter auf schönem Trampelpfad

Hallooooo, bin wieder zurück...

Nach knappen 6 Stunden bin ich wieder zu Hause. Okay, 6 Stunden für etwas über 14 Km ist eine Menge. Aber ich bin manchmal eine Trödel-Wanderin, und es gab ja auch viel zu sehen. Und es war seeeeeeehr warm...


Fazit: Meine erste selbst erstellte Wandertour, ich bin sehr zufrieden. Schöne Wege, viel Aussicht und der alte Müsener Schlag, mir hat es sehr gut gefallen.

Ich habe den Weg bereits abgespeichert, allerdings mit Start- und Zielpunkt Hilchenbacher Marktplatz. Dort gibt es viele kostenlose Parkmöglichkeiten.

Besonders gefreut habe ich mich über die lobenden Worte aus der outdooractive-Redaktion für meine Tour. Auf diesem Wege herzlichen Dank dafür.


 
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